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24. November 2017 | 14:13 Uhr

Weihnachten in Dunkelheit

vom

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2009 | 05:33 Uhr

Neuendorf | Wenn Helene Löhr aus Neuendorf die Lichter an ihrem Tannenbaum aus Plastik anschaltet, dann sieht sie nur noch einzelne helle Punkte. Denn die 74-Jährige ist zu 100 Prozent blind. "Ich sehe nur noch hell und dunkel", sagt sie. Und das seit 15 Jahren. Die Adventszeit und das Weihnachtsfest mit all seinen bunten Farben und Lichtern kann sie daher nicht wahrnehmen. "Ich kann hingehen, wo ich will, aber ich erkenne niemanden", sagt die Rentnerin, die seit acht Jahren alleine lebt.

Doch das hält Helene Löhr, die drei Töchter, acht Enkel und zehn Urenkel hat, nicht davon ab, gebührend das Weihnachtsfest zu begehen. Sie verbringt den heiligen Abend bei einem ihrer Enkelsöhne und seiner Familie. "Wir trinken Kaffee zusammen und dann soll dieses Jahr auch der Weihnachtsmann kommen", sagt die Neuendorferin, die sich auf ihre Familie freut. Dass sie die glücklichen Kindergesichter und die bunten Geschenke nicht mehr klar sehen kann, nehme sie hin. "Ich stelle es mir dann einfach vor, male mir aus, wie es aussehen muss", erzählt sie. Denn sie kenne es von früher, zu Zeiten als sie zwar stark kurzsichtig, aber noch nicht blind gewesen sei.

Es war Anfang der 90er-Jahre als sich das Augenlicht der Frau immer mehr verschlechterte. Diagnose: Grauer Star auf beiden Augen. Eine Operation versprach kurzzeitige Besserung. "Aber mit einem Mal wurde es immer schlechter.", erzählt Helene Löhr offen über die Zeit. Ärzte stellten ein Loch in der Netzhaut fest, "von da an ging es bergab mit den Augen". Was ihren Augen heute fehlt, gleicht sie mit ihren Ohren aus. "Was ich an meiner Hörkraft zu viel habe, kann ich gut für meine Augen gebrauchen", erzählt Helene Löhr und schmunzelt. Ebenso stark ausgeprägt sei der Orientierungssinn. Ihr wichtigstes Werkzeug sind aber ihre Hände. "Solange ich kann, mache ich alles selbst", sagt sie. Täglich koche sie noch, theoretisch könne sie auch Ente zubereiten. Denn sie lebt nach der Maxime "Wenn ich etwas will, dann mache ich das auch", sagt sie. Noch immer gehe sie gerne shoppen, tanzen oder trifft alte Schulfreunde und Bekannte. Besonders zur Weihnachtszeit geben ihr Familie, Nachbarn und Freunde Halt. Helene Löhr ist Vorstandsmitglied der Blinden- und Sehbehindertenvereins, Gebietsgruppe Bützow.

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