Leezener Ingenieur Gerhard Förster : Wasserrechnung auf dem Vormarsch

Öffentliche Zapfstelle in Tansania: An rund 2000 solcher Punkte wird der Trinkwasserverbrauch mit Hilfe des System von Gerhard Förster abgerechnet. privat
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Öffentliche Zapfstelle in Tansania: An rund 2000 solcher Punkte wird der Trinkwasserverbrauch mit Hilfe des System von Gerhard Förster abgerechnet. privat

Von seinem Ingenieurbüro in Mecklenburg aus betreibt Förster Entwicklungshilfe in Afrika. Bereits seit 2006 ist der Leezener in der Trinkwasserversorgung ländlicher Regionen von Tansania aktiv.

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30. November 2010, 11:53 Uhr

Leezen | Förster widmet sich dabei aber nicht dem Bau neuer Versorgungssysteme, sein Fachgebiet ist die Abrechnung. "Nur wenn die Nutzer auch einen kleinen Obolus für das von ihnen abgezapfte Trinkwasser bezahlen, können die oft mit Hilfe aus Europa errichteten Anlagen auch erhalten und betrieben werden", betont Förster. Und allmählich wächst auch in Afrika die Erkenntnis: Für sauberes Wasser lohnt es sich, etwas zu bezahlen. Das von Gerhard Förster entwickelte EDV-Abrechnungssystem richtet sich nach dem tatsächlichen Verbrauch an der jeweiligen Zapfstelle. Das ist in Deutschland normal, aber in Afrika noch längst nicht. Doch die Wasserrechnung ist auf dem Vormarsch. Im Jahr 2008 nutzten fünf Versorger im Norden Tansanias Försters Modell. Dieses hatte er zuvor im Auftrag der Consult Engineers Salzgitter GmbH (CES) für die Kilimandscharo-Region entwickelt. CES-Anlagen zählen zu den Vorzeigeprojekten deutscher Entwicklungshilfe. Förster ist stolz darauf, dass diese anerkannten Spezialisten das von ihm entwickelte Abrechnungssystem anwenden.

Und dass dieses System funktioniert, hat sich in Tansania rumgesprochen. Die Anzahl der Nutzer hat sich in den zurückliegenden zwei Jahren verdoppelt. Derzeit sind es zehn Versorger, die Försters Abrechnungsverfahren anwenden. So sind inzwischen 21 500 Zapfstellen mit Wasseruhren versehen. Der Großteil davon sind Hausanschlüsse. Doch auch rund 2000 öffentliche Zapfstellen sind darunter. Dort zahlt der Nutzer nach dem Befüllen seines 20-Liter-Kanisters ein paar Schillinge an den Verwalter aus dem jeweiligen Dorf. Die Anzahl der Menschen, die so dauerhaft mit sauberem Trinkwasser versorgt werden, kann Förster nur schätzen. Es müssen schon heute mehr als 100 000 sein.

Die Einnahmen nutzt der jeweilige Versorger, um sein Trinkwassersystem zu warten und zu unterhalten. Und durch die genaue Kontrolle des Wasserverbrauchs wird schnell sichtbar, ob das aufbereitete Trinkwasser auch an der Zapfstelle ankommt. Wasserverluste durch Rohrbrüche oder Diebstahl kommen immer wieder vor. Denn oft muss das Wasser über weite Strecken zu den Menschen gebracht werden. Im Norden Tansanias, nahe des Kili mandscharos, werden Flüsse angestaut. Auch Regenwasser wird genutzt. Aus dem Hochland fließt das kostbare Nass zu den Menschen.

Im Süden Tansanias muss hingegen nach Wasser gebohrt werden. Das kostbare Nass findet sich erst in 70 bis 80 Metern Tiefe. Mit Solaranlagen wird Strom erzeugt. Das geförderte Wasser wird dann in Hochtanks gepumpt und verteilt.

Die Versorgungssysteme lassen sich nicht vergleichen. Försters Abrechnungssystem ist aber überall anwendbar. Deshalb interessieren sich immer mehr Versorger für sein Modell. Erst vor wenigen Tagen fand im Süden Tansanias eine Zusammenkunft regionaler Wasserversorger statt. Försters Modell erhielt auch da großen Zuspruch, vier weitere Betreiber wollen es jetzt testen.

"Pumpstationen und Hochtanks zu betreiben ist natürlich aufwändiger als Erhalt und Reparatur der Leitungen", berichtet Förster. Daher ist Wasser im trockenen Süden etwas teurer als im Norden. Festgelegt wird der Preis aber stets von einem regionalen Komitee, denn das Wasser soll für jedermann bezahlbar bleiben.

Sich dafür in Tansania einzusetzen, motiviert den 59-jährigen Mecklenburger. Mindestens einmal im Jahr reist er nach Afrika - auch um die einheimischen Betreuer zu schulen. Doch wenn es Probleme gibt, dann kann Gerhard Förster heute auch von Leezen aus die Wasserrechnung in Tansania überprüfen.

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