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Durchsuchung im Präsidialamt : Was wusste Wulff?

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Christian Wulff weiter unter Druck. Die Staatsanwaltschaft hat Büroräume von Wulffs früherem Sprecher im Bundespräsidialamt durchsucht. Ermittlungen am Dienstsitz des Staatsoberhauptes - ein bisher einmaliger Vorgang.

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erstellt am 29.Jan.2012 | 07:13 Uhr

Berlin | Bundespräsident Christian Wulff gerät weiter unter Druck. Der Partyveranstalter Manfred Schmidt, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Bestechung ermittelt, hat eingeräumt, dass ihn die niedersächsische Landesregierung bei Suche nach Sponsoren für die Lobby-Veranstaltungsreihe "Nord-Süd-Dialog" von 2007 bis 2009 unterstützt hatte. Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Hannover Büroräume von Wulffs früherem Sprecher Olaf Glaeseker im Bundespräsidialamt durchsuchen lassen und Akten- und Datenmaterial sichergestellt. Ermittlungen am Dienstsitz des Staatsoberhauptes - ein bisher einmaliger Vorgang.

Am vergangenen Donnerstagmorgen hatten ein Staatsanwalt und Beamte des Landeskriminalamtes Niedersachsen das Büro des früheren Wulff-Sprechers im Bundespräsidialamt im Berliner Tiergarten durchsucht und schriftliche Unterlagen sowie Computerdateien beschlagnahmt. Glaeseker habe sein Büro nach seiner Entlassung kurz vor Weihnachten bisher nicht ausgeräumt. Als er kürzlich seine Büroräume noch einmal habe aufsuchen wollen, sei ihm wegen der laufenden Ermittlungen der Zutritt verweigert worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Glaeseker wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit. Sowohl bei ihm als auch bei Eventmanager Schmidt waren bereits Privat- und Büroräume in Niedersachsen und in der Schweiz durchsucht worden. Im Fokus der Ermittler steht vor allem die Verbindung zwischen dem Veranstalter und Glaeseker, der bereits in Niedersachsen für Wulff in dessen Zeit als Ministerpräsident als Regierungssprecher tätig war. Glaeseker soll Sponsoren für den von Schmidt organisierten Nord-Süd-Dialog von Niedersachsen und Baden-Württemberg geworben und im Gegenzug kostenlose Ferienflüge und Urlaubsaufenthalte für sich und seine Frau in verschiedenen Anwesen des Partykönigs erhalten haben.

Was wusste Christian Wulff? Der Bundespräsident ist seit Jahren eng mit dem Partymacher Schmidt verbunden. Er hatte die Schirmherrschaft für den Nord-Süd-Dialog übernommen und auch an Sponsoren-Treffen im Vorfeld der Veranstaltung teilgenommen. Aus E-Mails von Glaeseker geht hervor, dass er "auch im Namen von Ministerpräsident Christian Wulff" Sponsorengelder in Höhe von bis zu 50 000 Euro für die privaten Veranstaltungen geworben hat. Zudem ließ sich Wulff von Schmidt eine luxuriöse Siegesfeier in dessen Penthouse am Pariser Platz in Berlin am Abend nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten ausrichten.

Wulff hatte zuletzt bestritten, etwas von der Sponsorenanwerbung gewusst zu haben. Bundeskanzlerin Merkel stellte sich am Wochenende erneut hinter ihn: "Unser Bundespräsident wird viele weitere wichtige Akzente für unser Land und unser Zusammenleben setzen."

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