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15. Dezember 2017 | 22:44 Uhr

Was muss noch passieren?

vom

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erstellt am 27.Mai.2010 | 07:47 Uhr

Redefin | "Wann sind wir dran?" Das war das erste, was Frank Ahlers durch den Kopf ging, als er gestern die Meldung vom Lkw-Unfall bei Groß Krams im Radio hörte. Vorgestern Mittag erst sind er und seine Nachbarn in Neu Gülze aufgeregt auf die Straße gerannt. "Wir haben ein fürchterlich lautes Rattern gehört und sofort an einen Unfall gedacht." Tatsächlich aber versuchte ein polnischer Lkw-Fahrer im Ort zu bremsen, weil vor ihm ein Pkw abbiegen wollte. "Da knallte Metall auf Metall", sagt Ahlers. "Die Bremsbeläge müssen total runter gewesen sein."

Ahlers kämpft seit einem Jahr in der Initiative "B5" gegen die Lkw-Lawine vor seiner Haustür. Seit der Mauteinführung donnern täglich weit mehr als eintausend Lkw an seinem Grundstück vorbei. Abgesehen von der Lärmbelastung macht sich Frank Ahlers auch große Sorgen um die Kinder. "Muss erst ein Kind sterben, damit die Politiker wach werden?"

Die Politiker. Für die betroffenen Anwohner der B 5 sind sie "allesamt Ignoranten", wie Redefins Bürgermeisterin Roswitha Böbel sagt. "Sie kommen mal kurz vorbei, hören sich das Problem an und lassen dann nie wieder von sich hören." Verkehrsminister Volker Schlotmann zum Beispiel war vor zwei Wochen zur Bürgersprechstunde in Groß Krams. "Er hat uns in die Hand versprochen, dass er uns über sein Treffen in Lauenburg zum Thema B 5 einen Tag später informieren wird", sagt Roswitha Böbel. Bis heute hat er sich nicht gemeldet. "Sie nehmen uns einfach nicht ernst und das macht uns wütend."

Redefins Bürgermeisterin war gestern Nacht auch draußen vor Ort, als die Feuerwehr ihrer Gemeinde den verunfallten Lkw aus dem Graben zog. "Wer den Baum und die völlig zerfetzte Fahrerkabine gesehen hat, mag sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn der Mann nur fünf Kilometer weiter in unserem Dorf die Kontrolle verloren hätte", sagt sie.

Warum der Fahrer des polnischen Lkw Donnerstagfrüh plötzlich ausscherte, ist noch unklar. Er war gegen 2 Uhr in Richtung Boizenburg auf gerader Strecke nach links über die Gegenfahrbahn gedriftet, streifte drei Bäume und landete schließlich frontal an einem Baum. Der 33-jährige Pole konnte sich selbst aus dem zertrümmerten Fahrerhaus befreien und überlebte den Unfall wie durch ein Wunder nur leicht verletzt. An fast genau der selben Stelle kam es bereits vor acht Tagen zu einem ähnlichen Unfall. Hier war der Fahrer eines polnischen Lasters eingeschlafen und in den Graben geschlittert.

Auch nach dem jüngsten Unfall musste die B5 teilweise gesperrt werden, bis gestern Morgen kam es zu Einschränkungen. Die Umleitungen bringen neue Probleme. So hat Peter Holm, Bürgermeister von Warlitz, beobachtet, wie nach dem Unfall vor einer Woche bis zu 100 Lkw über den Sommerweg der Gemeinde auswichen. "Die sind alle über eine innerörtliche Anliegerstraße gefahren. Ich dachte, ich spinne und musste erstmal einen Notruf an die Polizei abseilen. Nach so einer Umleitung ist unser Sommerweg doch komplett ruiniert."

B5-Anwohner Frank Ahlers aus Neu Gülze fühlt sich durch die Unfälle in seinem Kampf gegen den Lkw-Verkehr bestärkt. "Wir machen weiter, so lange bis sich was tut", sagt er. So war Ahlers am Dienstag bei einem Treffen mit der Ludwigsluster Bürgermeisterin und vier Bundestagsabgeordneten des Landkreises. Gemeinsam wolle man jetzt Landrat Christiansen sowie Minister Volker Schlotmann zu einem Forum einladen, auf dem beide öffentlich Stellung nehmen sollen.

Aus dem Schweriner Verkehrsministerium hieß es gestern: "Wir sind an dem Thema dran. " Nach einem Termin im Kieler Verkehrsministerium sei nun ein Gespräch im Juni mit Niedersachsen und Hamburg vereinbart. Alle seien sich einig, dass der Verkehrsfluss auf der B 5 in einem größeren Zusammenhang betrachtet werden muss. "Zu einem runden Tisch in der Region werden wir spätestens Anfang Juli einladen", so Pressesprecherin Julia Hasse.

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