Hitze, Schwüle, Regen : Was macht das Wetter mit der Psyche?

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Das wechselhafte Sommerwetter kann auch seinen Reiz haben. Schwitzen und Frösteln zeigen, dass der Organismus funktioniert. Biopsychologe Peter Walschburger rät: Raus in die Natur - und die Umschwünge ausnutzen!

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27. Juli 2012, 08:05 Uhr

Das wechselhafte Sommerwetter kann auch seinen Reiz haben. Schwitzen und Frösteln zeigten bei gesunden Menschen, dass der Organismus funktioniert. Diese naturnahen Körperwahrnehmungen sollten soweit wie möglich ausgeschöpft werden, sagt der Biopsychologe Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin. Margret Scholtyssek von der dpa-Nachrichtenagentur sprach mit ihm.

Der Sommer ist diesmal sehr wechselhaft. Wie wirkt sich das auf die Psyche der Menschen aus?

Walschburger: Grundsätzlich ist es viel interessanter, nicht nur für Meteorologen, sondern auch für unser Erleben, wenn sich das Wetter stark ändert. Die Menschen haben eine ganz intime Beziehung zu den physikalischen Umgebungsfaktoren, insbesondere zu Licht, aber auch zu Kälte und Wärme. Dies wurde angelegt, schon lange bevor wir in unserer Hochkultur sesshaft wurden. Wenn die Tage lang sind und die Nächte kurz – sprich viel Sonne auf uns einströmt – ist ein gehobenes Lebensgefühl zu verzeichnen. Anreize gehen auch davon aus, wenn das Wetter von kalt nach warm oder von warm nach kalt wechselt. Dies ist aber sehr unterschiedlich. Jemand, der einen niedrigen Blutdruck hat, reagiert auf eine plötzliche Zunahme von Hitze mit Gefäßerweiterungen, und der Blutdruck sinkt noch weiter ab. Dann geht es ihm vielleicht schlecht. Ein anderer lebt richtig auf, weil er in seine Optimalbedingungen kommt.

Es wird oft von Wetterfühligkeit gesprochen. Gibt es so etwas?

Es gibt wetterfühlige Menschen. Wenn ein Mensch uns sagt, er ist wetterfühlig, müssen wir das erst einmal so als seine persönliche Empfindung hinnehmen. Die Frage ist nur, ob dem eine sorgfältige Beobachtung einer langen Zeitreihe zugrunde liegt. Es gibt das Phänomen der Wetterfühligkeit etwa bei Föhnwetterlagen. Dort ist es relativ gesichert. Aber in vielen anderen Fällen weiß man nicht genug. Die Forschung zur Wetterfühligkeit ist sehr komplex. Es ist bisher nicht gelungen, die üblichen Wetterparameter in eine einfache Beziehung zu Stimmungsänderungen der Menschen zu setzen. Unstrittig ist, dass die Sonne fast alle Menschen fröhlicher macht.

Was belastet den menschlichen Organismus mehr: abrupte Wetterwechsel oder hohe Temperaturen?

Die Menschen haben die Tendenz, ihr Bewusstsein auf problematische Situationen ihres Lebens zu richten. Das führt zu einer Art Hemmung, die angenehmen Seiten des Wechselspiels beim Wetter auszukosten. Im zivilisierten Leben sitzen wir oftmals in geschlossenen, klimatisierten Räumen. Das führt dazu, dass im Grunde zu wenig Licht da ist und es auch keine besonderen Anreize gibt, dass zum Beispiel unsere Thermoregulationsfunktion ausreichend trainiert wird. Frösteln und Schwitzen in gewissen Grenzen können als elementare Lebensäußerungen gerade in ihren Kontrastwirkungen auch das Leben lebenswerter machen. Deshalb sollten zumindest gesunde Menschen diese naturnahen Körperwahrnehmungen so weit wie möglich ausschöpfen.

Meine Empfehlung ist, so oft wie möglich aus den geschützten Räumen in die Natur rauszugehen und sich ihren Anreizen auch dann immer zu öffnen, wenn das Wetter mal einen Umschwung zeigt.

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