Warnemünde: Produktionsbeginn für weltgrößte Auto- und Passagier-Fähren

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10. April 2008, 07:01 Uhr

Warnemünde - Der spätere Eigentümer selbst begann gestern Vormittag mit der Produktion zweier gigantischer kombinierter Fracht- und Personenfähren. Robert Åkerlund, Personal- und Technikchef der schwedischen „Stena Line“ erklärte, wie stolz er sei, derartig große Schiffe in Auftrag geben zu können und betrat die Schneidanlage. Funken sprühen, als der Plasmabrenner auf die etwa daumendicke Stahlplatte von 16 mal drei Metern trifft. Die Platte schwimmt während des Zuschnitts auf Wasser. Mit einer blauen Flamme schneidet sich der computergesteuerte Brenner in einer sinusförmigen Wellenline durch das Metall. Später löst Anlagenfahrer Uwe Matzke Åkerlund ab.

Millimetergenau: computergesteuerter Schneidprozess
„Wir müssen im Grunde nur die Platte einrichten, damit sie richtig liegt, und dann dem Computer die Arbeit überlassen“, erklärt er. Seine Aufgabe ist hauptsächlich die Überwachung dessen, was die Maschine tut. „Erst wenn ich merke, dass der Brenner anders schneidet, als es vorgesehen ist, greife ich ein.“ Die erste gestern zugeschnittene Platte wird einmal im inneren Boden der sogenannten RoPax-Fähre verschwinden.

Kilometerlange Autoschlangen an Bord
Zwei solche Fähren hat die schwedische Stena Line bei den Aker-Werften in Warnemünde und Wismar in Auftrag gegeben. Sie sollen um ein Drittel größer werden als alle bisher gebauten. Die Abkürzung RoPax steht für „Roll on/Roll off“ (horizontale Be- und Entladung) und Passagiere. 1200 sollen einmal in den Kabinen eines der Schiffe Platz finden, während außerdem noch Platz für eine fünfeinhalb Kilometer lange Lkw-Schlange und 730 Meter Pkw bleibt. Die Bruttoraumzahl (BRZ) eines solchen Schiffes beträgt 63600. 11600 Tonnen können befördert werden. Mit einer Hauptmaschinenleistung von zweimal 9600 und zweimal 7200 Kilowatt wird eine Dienstgeschwindigkeit von 22 Knoten (etwa 41 Stundenkilometer) möglich sein. Der Auftragswert beträgt insgesamt 400 Millionen Euro.

Die erste Kiel-Legung soll im September stattfinden. Die Schiffe werden jeweils zur Hälfte in Wismar und Warnemünde gebaut. Die Warnemünder schweißen und schrauben die vorderen Hälften zusammen, die dann nach Wismar geschleppt werden, wo die Heck-Teile entstehen. Dort werden sie zu fertigen Schiffen zusammen gefügt. Durch diese Bauweise können bis zu zehn Prozent Produktionsstunden gespart werden. Zum ersten und dritten Quartal 2010 werden die Endprodukte ausgeliefert. Die erste Fähre wird „Britannica“ heißen und zwischen Holland und England auf der Nordsee fahren, wie Robert Åkerlund mitteilte.

Momentan liegen bei den Aker-Werften in Wismar und Warnemünde Aufträge für insgesamt 23 Schiffe vor. „Dabei wird an bis zu neun Schiffen gleichzeitig gearbeitet“, so Pressesprecher Matthias Trott.

Teile für weltgrößte Kreuzfahrtschiffe

Seit 2007 liefern die Werften auch Sektionen mit einem Gesamt-Stahlgewicht von knapp elf Tonnen für zwei Kreuzfahrtschiffe zu, die bei Aker Yards in Finnland gebaut werden. Auch sie sollen mit der Bruttoraumzahl 220 000 weltweit die größten ihrer Art werden.

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