Warmes Essen auf Vorrat

Für viele ist es das erste Essen am Tag: Der Kinderschutzbund bietet in Schwerin Kinder bedürftiger Familien eine warme Mahlzeit. Finanziert wird das Essen weitgehend durch Spenden, geworben u. a. beim Wohltätigkeitsessen „Tischlein deck dich“.

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05. März 2008, 06:49 Uhr

Schwerin - Wenn die Kinder dürften, würden sie jeden Tag Nudeln essen. Doch beim „Pädagogischen Mittagstisch“ des Kinderschutzbundes Schwerin werde auf einen ausgewogenen Speiseplan geachtet, sagt Geschäftsführerin Bärbel Schirrmacher. 42 Kinder aus bedürftigen Familien erhalten an drei Standorten in der Stadt montags bis freitags ein warmes Essen. Mit 30 Cent pro Tag müssen sich die Familien an den Kosten beteiligen. „Sie sollen nicht aus der Verantwortung entlassen werden“, sagt Schirrmacher. Zwei Euro kostet ein Essen. Der überwiegende Teil der jährlich benötigten 14 000 Euro für das Projekt wird jedoch durch Spenden finanziert.

Ein Großteil des Budgets komme beim jährlichen Wohltätigkeitsessen „Tischlein deck dich“ zusammen, erklärt Schirrmacher. Auf der Veranstaltung in der Orangerie des Schlosses spendeten in diesem Jahr mehr als 100 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien sowie zahlreiche private Unterstützer mehr als 6400 Euro. Die Künstlerin Inge Jastram ließ durch die Finanzministerin Sigrid Keler (SPD) vier Grafiken versteigern. Allein dadurch kamen 1300 Euro zusammen.

In seiner kurzen Tischrede mahnte Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD), darauf zu achten, dass die Menschlichkeit im Alltag bewahrt bleibe. Der Staat könne nicht alles, und schon gar nicht alles besser. Ringstorff forderte, nicht wegzuschauen, „wo jemand unsere Hilfe brauchen könnte“.

Seit 2001 bietet der Kinderschutzbund den Mittagstisch in Schwerin an. Der Bedarf war sichtbar, sagt Schirrmacher. In den vergangenen sieben Jahren wurde deshalb das Angebot immer weiter ausgebaut. Zudem sei schnell deutlich geworden, dass es mit einer Mahlzeit für die 8- bis 13-Jährigen allein nicht getan ist, sagt Schirrmacher. „Einigen Kindern waren gemeinsame, regelmäßige Mahlzeiten unbekannt.“ Manchen mussten mitunter die einfachsten Regeln beigebracht werden.

Freitag und Montag seien für sie die unangenehmsten Tage, sagt Schirrmacher. Einige Kinder scheinen vor dem Wochenende auf Vorrat zu essen. „Sie wissen, dass es am Wochenende wieder weniger gibt“, sagt sie. Andere haben am Montag alle Regeln wieder vergessen. Dennoch werde der Umgang der Kinder miteinander zunehmend rücksichtvoller und entspannter.

Etwa 4400 Kinder leben nach Schätzung des Kinderschutzbundes in Schwerin in Familien, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Es sei schwierig, an die besonders bedürftigen Familien heranzukommen. Mitunter kämen die Kinder von sich aus.

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