zur Navigation springen

Stadtvertreter verlangen genaue Prüfung : Wariner Schule teurer als geplant

vom

Sanierung und Umbau der Fritz-Reuter-Grundschule in Warin haben ein finanzielles Nachspiel. Einer überplanmäßigen Ausgabe von 59 000 Euro erteilte die Stadtvertretung jetzt aber eine Abfuhr.

svz.de von
erstellt am 04.Jan.2011 | 11:10 Uhr

Die Beschlussvorlage hatte das Amt Neukloster-Warin eingebracht.

Schwerpunkt war die energetische Sanierung des Hauses. Gleichzeitig entstanden durch Zugewinn an Platz und Komfort deutlich bessere Lern- wie Lehrbedingungen, beispielsweise in Computer- und Werkraum, durch Internet-Anschlüsse in jedem Klassenzimmer oder die Lehrküche. Die Essensausgabe wurde ansprechender, Rauchmelder, Hausalarm sowie Toiletten wurden erneuert, Räume und Fassade gestrichen; hinzu kamen ein behinderten gerechtes WC im Erd geschoss und eine Rollstuhl geeignete Außentreppe als zweiter Fluchtweg.


Zwei Firmen blieben sogar unter ihrem Limit

Etwa eine halbe Million Euro floss dazu aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung. 570 000 Euro waren insgesamt eingeplant. Die Amtsverwaltung präsentierte nun allerdings eine Gesamtrechnung von rund 630 000 Euro. Für die Wariner Stadtvertreter nicht nachvollziehbar, die Beschlussvorlage für eine "außerplanmäßige Ausgabe" aus liquiden Mitteln der Stadt ging an die Verwaltung zurück und wird auch im Bauausschuss behandelt. Zwei Firmen hielten nicht nur ihr Limit ein, sondern blieben sogar etwas unter der im Angebot aufgeführten Summe. Drei, vier

Betriebe dagegen stellten deutlich mehr in Rechnung. Bei einzelnen Posten reichen die Zusatzkosten bis 8000 und gar 13 000 Euro. "Ich bin darüber richtig sauer. Über einige hundert Euro wäre nicht zu reden gewesen, denn bei einer Sanierung kann immer mal Mehraufwand auftreten. Aber doch nicht in dieser Größenordnung", ärgert sich Sabine Wundrak-Geritz, Mitglied im Bauausschuss. "Wir hatten uns wahnsinnig über das Geld aus dem Konjunkturpaket gefreut und hart um die Gesamtkosten gerungen - und nun dies."

Gestört habe sie vor allem die Begründung, dass 2010 eine neue Verordnung für den Brandschutz in Kraft getreten sei und hohe Mehrkosten verursacht habe. "Planer und Fachfirma hätten das überblicken und, weil die energetische Sanierung im Vordergrund stand, von vornherein berücksichtigen müssen, ob bei Brandriegeln oder anderen Dingen. Denn diese neue Verordnung war lange vorher im Gespräch. So erziehen wir doch die Firmen dazu, Niedrigangebote abzugeben und die Mehrkosten dann einfach über Nachträge zu finanzieren."

Mittwochs um 12 Uhr sei Bauberatung gewesen. Sie hätte auch gern einmal daran teilgenommen, so Wundrak-Geritz, doch für ehrenamtliche Stadtvertreter, die ganztägig auf Arbeit sind und dann noch außerhalb, sei das zu dieser Uhrzeit schlichtweg unmöglich.

Das Amt in Neukloster hüllt sich bei SVZ-Anfrage in Schweigen, obwohl es zur Auskunft verpflichtet ist. Das erweckt zumindest den Anschein, dass es etwas zu verheimlichen geben könnte. Zumal bislang unklar blieb, wer zusätzlichen Arbeiten zustimmte, die eigentlich schon bei der Ausschreibung hätten offensichtlich gewesen sein müssen. "Ich möchte genau wissen, wer die Kostenüberschreitungen bewilligt hat", fordert Stadtvertreter Wolf Koschitzke ganz entschieden. Und das müsse Konsequenzen haben.

Er sei von der deutlich höheren Rechnungssumme "sehr überrascht" worden, erklärt Warins Bürgermeister Michael Ankermann. Dem Amt sei das offenbar genauso gegangen, versucht er, der Verwaltung eine kleine Bresche zu schlagen. "Weil die Schulsanierung eine größere Baumaßnahme war, habe ich sie in den Dienstberatungen öfter thematisiert und nachgefragt, ob wir im finanziellen Rahmen liegen. Das wurde jedes Mal bestätigt. Nach Auskunft des Planers hätten die Kosten stets im grünen Bereich gelegen", so der Bürgermeister.

Das finanzielle Nachspiel soll die Freude von Schülern, Eltern und Lehrern über die Schulsanierung nicht trüben. 2010 sind 33 Abc-Schützen eingeschult worden, ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Jahr davor, so dass es wieder zwei erste Klassen in Warin gibt.

"Im Bauausschuss werden wir die Problematik detailliert beraten", kündigt Sabine Wundrak-Geritz an. "Denn eine Rechnung zu präsentieren, die keiner real nachvollziehen kann, geht einfach nicht. Bei jedem Vorhaben sind wir angehalten, sparsam mit den Mitteln umzugehen, und das versuchen wir. Deshalb soll uns auch jetzt niemand einen Vorwurf machen können, Geld achtlos rauszuwerfen", betont Wundrak-Geritz.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen