Wariner Schützen werfen das Handtuch

23-33980881.jpg

von
14. Juli 2010, 09:37 Uhr

Warin | Den Wariner Schützenverein wird es vermutlich bald nicht mehr geben. Nach jahrelangem Streit mit Nachbarn über Ablagerung von Munition will der Verein vor einer Forderung des Umweltamtes beim Landkreis Nordwestmecklenburg nun die Segel streichen. Die Mitgliederversammlung habe den Beschluss gefasst, "den Verein zu liquidieren", sagt Vereinschef Klaus Daniel, "falls der Kreis nicht einlenkt". Der Landkreis fordert von den Schützen ein umfangreiches Gutachten über Munition im Boden rund um den Schießstand und pocht auf den Schutz des Grundwassers. Mehr als 100 Tonnen Blei sollen nach Jahrzehnten des Schießens im Boden liegen, auch noch aus DDR-Zeiten, als die Gesellschaft für Sport und Technik hier anlegen ließ (SVZ berichtete).

Der Verein könne diese erneute finanzielle Belastung - etwa 10 000 Euro für das Gutachten - nicht stemmen, so Daniel. Es seien bereits 30 000 Euro für den juristischen Streit mit Nachbarn zu berappen. "Die Mitglieder sind sehr traurig", schildert Klaus Daniel die Stimmung auf der Sitzung. Eine geringe Hoffnung bleibe: Bis 27. August soll der Verein in einer Anhörung des Umweltamtes Stellung nehmen. Er hoffe bis zuletzt auf eine Lockerung der Auflagen, sagt der Vereinsvorsitzende.

Beim Kreis NWM klang das zuletzt jedoch anders. Die Behörde müsse sicherstellen, dass das Grundwasser im Trinkwasserschutzgebiet nicht noch mehr gefährdet werde. Es müsse angenommen werden, "dass Flächen in einem hohen Maße bleiversucht sind", so Sprecherin Petra Rappen. Dies stelle eine "akute Gesundheitsgefährdung" dar.

Der Verein werde zunächst angehört. "Erst danach können wir festlegen, ob Abwandlungen möglich sind", sagte Rappen gestern. Sie stellt aber klar: "Eine Reduzierung des Untersuchungsumfangs ist alleine aus Kostengründen nicht möglich." Der Kreis gehe davon aus, "dass ein Schützenverein mit 85 Mitgliedern die Kosten aufbringen kann".

Löst sich der Verein auf, landet das Munitionsproblem bei der Stadt Warin, denn ihr gehören Flächen des Schießplatzes. Bürgermeister Michael Ankermann ist klar, dass dann "Gutachten in Auftrag gegeben werden müssen". Er kündigt an, sämtliche Haftungsansprüche prüfen zu lassen. Ankermann: "Das ist kein illegaler Schützenverein. Es gab Genehmigungen." Für den Verein hoffe er immer noch auf eine Lösung.

Klaus Daniel ist zutiefst enttäuscht über die Behörde, "den Rechtsstaat", wie er sagt. "Ich persönlich brauche den Schießstand nicht. Ich kann in ganz Europa schießen", so Daniel. Es gehe ihm um die Jugendlichen unter den 85 Vereinsmitgliedern. "Hier werden charakterfeste Menschen erzogen. Wer mit Waffen umgeht, der muss Charakter haben", so Daniel. Diese Jugendlichen landeten nun auf der Straße. Die Schützen haben eine Petition an den Landtag geschickt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen