"Bombodrom" Kyritz-Ruppiner Heide : Wanderweg durchs Minenfeld

23-35844367.JPG

Nach 20 Jahren des am Ende erfolgreichen Protests gegen das "Bombodrom" in der Kyritz-Ruppiner Heide will sich der Bund vorerst nicht mit den Bürgern der Region anlegen. Im "größtmöglichen Einvernehmen" solle die zivile Nutzung des bisherigen Schießplatzes geplant werden

von
12. November 2010, 07:41 Uhr

Wittstock | Nach 20 Jahren des am Ende erfolgreichen Protests gegen das "Bombodrom" in der Kyritz-Ruppiner Heide will sich der Bund vorerst nicht mit den Bürgern der Region anlegen. Im "größtmöglichen Einvernehmen" solle die zivile Nutzung des bisherigen Schießplatzes geplant werden, versicherte gestern Georg Reitz von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) gestern bei einer öffentlichen Anhörung in Wittstock. Die bundeseigene BIMA wird vom Oktober 2010 an das Areal zwischen Wittstock und Rheinsberg und Neuruppin übernehmen. Das letzte Wort über die künftige Nutzung hat sder Eigentümer, also der Bund. Auch wenn gestern alle Beteiligten große Kompromissbereitschaft zeigten, birgt das Bombodrom weiterhin Konfliktstoff. "Die Bürger haben erfolgreich gekämpft und wollen nicht bis 2045 auf eine Masterplan warten", sagte Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann. Auch die Bürgerinitiativen fordern eine schnelle Öffnung des Geländes, das die Region wie ein Sperrriegel zertrennt. Ein Rad- oder Wanderweg durch die Heide wären ein Signal, so Klaus Günther von der Initiative "Freie Heide". Der Bund will lieber erst das Grobe planen und dann den Feinschliff machen.

Debattiert wird weiter, wie die Heide künftig insgesamt genutzt wird. Tourismus, Arbeitsplätze, Naturschutz und Windenergie wollen in Einklang gebracht werden. Für die Diskussion bleibt viel Zeit, denn allein die militärischen Altlasten sind gigantisch. Seit 1994 sind auf eher durch Zufall 92 000 Blindgänger gefunden und entschärft worden. Um sich einen genaueren Überblick zu verschaffen, nahm die Bundeswehr Proben und rechnete die Zahl der entdeckten scharfen Munition auf 1,5 Millionen hoch. Zweidrittel der 14 00 Hektar großen Fläche sind als gefährlich eingestuft, so der Kommandant des Truppenübungsplatzes Thomas Hering. Wer die Räumung bezahlt und wie lange sie dauern wird, ist nicht geklärt. Die BIMA als künftige Eigentümerin soll 20 Millionen Euro dafür vorgesehen haben. Wirtschaftsminister Ralf Christoffersen (LINKE) räumte ein, dass es kaum gelingen werde, die gesamte Heide von Kampfmitteln zu räumen. "Einige Flächen wird man liegen lassen müssen." Zu den militärischen Altlasten kommen verfallene Gebäude. Fraglich ist, ob und in welchem Umfang das Grundwasser belastet ist. Über diese Risiken soll ein Gutachten im Februar 2011 Auskunft geben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen