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Naturschützer Succow : Wanderprediger für den Naturschutz

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Der Umwelt- und Naturschützer Succow gilt als geistiger Vater des Nationalparkprogramms. Er feiert am 21. April seinen 70. Geburtstag.

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erstellt am 21.Apr.2011 | 10:56 Uhr

Die erste Begegnung des ostdeutschen Ökologen Michael Succow mit dem damaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) begann mit Hindernissen: "Ich bekam einen Anruf, da wären vier Leute aus dem Osten in einem Auto, die wollten mich besuchen", erinnert sich Töpfer an das Treffen in Bonn kurz nach dem Mauerfall. Das Auto, in dem Succow mit drei Mitstreitern die Reise angetreten hatte, war jedoch auf dem Weg zusammengebrochen. "Dann haben wir sie abgeholt", berichtet Töpfer. Ein weitsichtiger Entschluss, wie sich herausstellen sollte. Denn ein knappes Jahr später werden mehrere neu geschaffene Naturschutzgebiete im Osten als "Tafelsilber der deutschen Einheit" in den Einigungsvertrag eingehen. Der Umwelt- und Naturschützer Succow gilt als geistiger Vater des Nationalparkprogramms. Er feiert am 21. April seinen 70. Geburtstag.

So marode wie das Auto war, so trostlos stand es 1989 auch um den Umweltschutz im Osten Deutschlands. Die zusammenbrechende DDR hatte mit ihrer Wirtschaftspolitik auf Kosten der Natur belastete Flüsse und Landstriche hinterlassen. Einst intensiv genutzte Kulturlandschaften, Truppenübungsplätze sowie Grenz- und Staatsjagd-Gebiete wurden andererseits nicht mehr benötigt. Succow als stellvertretender Umweltminister in der Modrow-Übergangsregierung und seine Mitstreiter nutzten die Gunst der Stunde: Innerhalb weniger Monate werden 4,5 Prozent des DDR-Territoriums zu Nationalparks, Biosphärenreservaten und Naturparks erklärt. Der DDR-Ministerrat fasst dazu in der letzten Sitzung den Beschluss. Ein "Geniestreich", für den Succow 1997 den Alternativen Nobelpreis bekommt. "Wir begriffen, dass wir eine einmalige historische Chance hatten", erinnert sich der Greifswalder Biologe später.

Mit dem Preisgeld gründet Succow eine Stiftung, die sich für Naturschutzprojekte in den früheren Ostblock-Staaten und seit Neuestem auch in Afrika einsetzt. Allein in Aserbaidschan wurden in den vergangenen Jahren mit Unterstützung der Succow-Stiftung acht Nationalparks geschaffen und damit elf Prozent der Landesfläche unter Schutz gestellt. Die Stiftung war auch Initiator für Naturschutzprojekte in der Ukraine, in Russland, Usbekistan und Weißrussland. In Turkmenistan sollen im Herbst 2011 zwei Nationalparke gegründet werden. "Michael Succow kann den Menschen auf der Straße genauso für die Idee des Naturschutzes begeistern, wie hochrangige Politiker", beschreibt der Leiter der Naturschutzakademie des Bundesamtes für Naturschutz, Hans Dieter Knapp, dessen besondere Gabe.

"Großartiger Motivator", der Unterstützung organisiert

Gefährten und Naturschutzexperten schätzen vor allem Succows Glaubwürdigkeit. Sie bewundern die Begeisterungsfähigkeit des Biologen, der im brandenburgischen Bad Freienwalde geboren wurde. "Er hat noch heute die besondere Fähigkeit, über die kleinen Dinge in der Natur staunen zu können", sagt Knapp. Succow und Knapp hatten sich 1966 auf einer Botaniker-Konferenz in Mecklenburg kennengelernt. Der frühere Umweltminister Töpfer nennt Succow "einen großartigen Motivator, der für eine gute Sache immer Unterstützung organisieren kann." Er habe es immer verstanden, wissenschaftliche Exaktheit mit politischer Umsetzungsbereitschaft zu verbinden. Das organisatorische Tagesgeschäft in seiner Stiftung, über die inzwischen 21 Projektstellen geschaffen wurden, hat Succow inzwischen einer jüngeren Generation überlassen. Wie Stiftungsgeschäftsführer Sebastian Schmidt studierten viele bei ihm Landschaftsökologie.

Succow sei weiterhin Ideengeber, Vordenker und wichtigster Berater, betont Schmidt. Der Jubilar selbst bezeichnet seinen jetzigen Alltag als "schönste Phase meines Lebens". Er habe die Möglichkeit, abseits von universitären Kleingefechten seine Arbeit frei gestalten zu können. Der Ökologe hält Vorträge, schreibt an einem Buch und wird von Regierungen weltweit als Berater geschätzt, wenn es um den Aufbau neuer Großschutzgebiete geht.

Erstmals wird die Stiftung nun auch in Afrika aktiv. Der Lake Tana, größter Süßwassersee in Äthiopien, ist ins Blickfeld der Stiftung gerückt. Laut Succow soll eine Machbarkeitsstudie für die Einrichtung eines Biosphärenreservats erarbeitet werden. "Die Region ist sehr fruchtbar. Dort findet sich ein ungeheurer Reichtum an Vögeln. Der See ist ein wichtiger Überwinterungsplatz für Zugvögel", sprudelt es aus Succow heraus. Der Mann hat auch mit 70 noch viel vor - vor allem für den Schutz des Artenreichtums auf der Welt.

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