„Wallenstein“ taucht wieder auf

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Die Vision eines Wallenstein-Wasserweges zwischen der Ostsee und dem Schweriner Außensee wird immer mehr zu einem Politikum. Obwohl die Landesregierung das Projekt längst begraben hat, nimmt der Landkreis erneut einen Anlauf, um ein Raumordnungsverfahren zu beantragen. Auf dem Spiel stehen 520 000 Euro.

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18. September 2008, 10:39 Uhr

Nordwestmecklenburg Michael Schmidt Die Ministerriege in Schwerin dürfte sich verwundert die Augen reiben. Während die Damen und Herren um Noch-Landesvater Harald Ringstorff (SPD) keine Unterstützung in Aussicht stellen, gibt es im Landkreis erneut den Versuch ein Raumordnungsverfahren zu beantragen. 520 000 Euro – der Großteil Fördergelder – sollen zuvor für notwendige Untersuchungen und Gutachten ausgegeben werden und das stößt bei immer mehr Kreistagsabgeordneten auf Widerstand.
Beispiel Manfred Bandilla von der Fraktion Die Linke: Er ist nach eigenen Angaben ein Verfechter der Wallenstein-Vision. Aber wenn es keine Rückendeckung seitens das Land gibt, sei jeder weitere Schritt überflüssig. „Wir brauchen ein klares Ja oder Nein bei der Frage nach der Unterstützung des Landes“, sagt Bandilla.
Beispiel Günter Becker, Einzelkandidat. Er war bislang nicht abgeneigt von dem Vorhaben. Jetzt stellt er klar: „Ich bin schockiert, dass trotz fehlender Unterstützung ein Raumordnungsverfahren eröffnet werden soll. Das stimmt mich sehr nachdenklich.“ Er fordert Landärtin Birigt Hesse nun auf die Reißleine zu ziehen, sollte sich in den Fraktionen abzeichnen, dass es keine Mehrheit gibt.
Vor allem Heiner Wilms (SPD) macht sich für eine Antragstellung stark. „Man wird kein Investor finden, wenn wir dieses Raumordnungsverfahren nicht dürchgeführt haben“, wirbt Wilms. Er ist Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses und hat mit Raimar von Böhl (CDU) einen weiteren Befürworter an seiner Seite. Raimar von Böhl spricht von einer enormen Chance: „Hier wird etwas angeschoben, das eine gesamte Region stärken kann.“ Kritiker halten dagegen und warnen vor dem Verbrennen von Steuergeldern (wir berichteten).
Für Wirbel könnte nun ein aufgetauchtes Schreiben des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur sorgen. Darin melden Fachleute erhebliche Bedenken an. Und: Sie nehmen eine Machbarkeitsstudie regelrecht auseinander und sprechen von Defeziten, oberflächlichen Schlussfolgerungen, Algen-Massenentwicklungen, pH-Wert-Schwankungen und unverhältnismäßig teuren Renaturierungsmaßnahmen.
Adressiert ist das Schreiben, das der SVZ vorliegt, an den Landkreis Nordwestmecklenburg. Eingegangen ist es dort am 4. Juni vergangenen Jahres und Ex-Landrat Erhard Bräunig will davon keine Kenntnis gehabt haben, wie er auf seiner letzten Kreistagssitzung betont hatte.

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