Waffen kommen ins Labor

Waffenhandel hieß der Hinweis. Und da ging die Prignitzer Polizei auf Nummer sicher, forderte das Sondereinsatzkommando (SEK) an. Die beschuldigte Familie wehrt sich gegen die Vorwürfe und bezeichnet den Polizeieinsatz als überdimensioniert.

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25. März 2008, 07:33 Uhr

Prignitz - Das Szenario ist aus Film und Fernsehen bekannt. Spezialkräfte fahren vor, die maskierten Männer steigen in ihren schusssicheren Westen aus ihren Autos. Wenn so eine Szene aber live vor der eigenen Haustür spielt, kann der Schreck tief sitzen. So ergeht es einer Familie aus einem kleinen Dorf bei Perleberg.

Karfreitag rückten dort Prignitzer Polizei und zahlreiche SEK-Beamte an (wir berichteten). „Wir saßen mit unserer Familie gerade beim Kaffee, feierten den Geburtstag meiner Frau“, schildert das Familienoberhaupt (Name ist der Redaktion bekannt). Zwölf Kinder und Enkelkinder seien zu diesem Zeitpunkt im Haus gewesen und hätten einen Riesenschreck bekommen, so der Familienvater weiter. Das jüngste sei erst eineinhalb Jahre alt.

Zwar sei das SEK nicht ins Haus gestürmt, „aber wir empfanden die Situation als bedrohlich“. Prignitzer Polizisten seien als erste ins Haus gegangen, hätten die Situation entschärft, was die größten Ängste erst einmal gedämpft hätte, sagt die Familie gegenüber unserer Redaktion.

Den Vorwurf des Waffenhandels streitet der Familienvater vehement ab: „Angeblich sollen auf unserem Hof vollautomatische Kalschnikows verkauft worden sein, was nicht stimmt.“ Richtig sei, dass sich mehrere Spielzeugwaffen, ein Luftdruckgewehr und sogenannte Soft-Air-Waffen im Haus befanden. Dabei handelt es sich um detailgetreue Nachbildungen von echten Waffen. „Ich habe den Beamten sofort alles gezeigt. Meine Soft-Air ist ein G 36 Sturmgewehr. Die ist harmlos, gibt’s in Spielzeugläden zu kaufen“, sagt der Beschuldigte.

Alle von der Polizei beschlagnahmten Waffen gehen in dieser Woche an ein Speziallabor. „Dort werden sie von unseren Experten untersucht, ob sie wirklich harmlos sind, oder nicht“, informiert Katy Gollnik, Pressesprecherin der Prignitzer Polizei. Routinemäßig geprüft werden müsse beispielsweise, ob eventuell Spielzeugwaffen umgebaut wurden, denn theoretisch könne auch ein Kugelschreiber Schüsse abfeuern.

Ob ein SEK-Team zur Unterstützung angefordert werde, entscheide grundsätzlich die Führungsspitze der örtlichen Polizei. „Wir mussten nach dem Bürgerhinweis von einem möglichen Waffenhandel ausgehen, haben deshalb das SEK verständigt. In welcher Stärke die Beamten anrücken, entscheiden die Spezialisten“, erklärt Katy Gollnick das Prozedere.

Das Waffengesetz ist kompliziert, bestätigt Mathias Ipsen, Leiter der Prignitzer Waffenbehörde. „Luftdruckgewehre, Schreckschusspistolen oder Soft-Air-Waffen sind nach dem Waffengesetz Schusswaffen“, stellt er klar. Die Bewegungsgeschwindigkeit der Geschosse entscheide darüber, welche problemlos zu erwerben seien. „Bis 0,08 Joule ist alles unbedenklich, würde man direkt die Waffe auf der Haut abschießen, wäre der Schuss gerade so zu spüren“, sagt der Fachmann.
Schreckschusswaffen und Soft-Air-Waffen gebe es aber auch mit deutlich höherer Bewegungsenergie, vergleichbar mit der von Luftdruckwaffen. Bis 7,5 Joule sei der Erwerb erlaubnisfrei.

Allerdings müssen Schreckschusswaffen und Luftdruck-/Soft-Air-Waffen gesondert gekennzeichnet sein. Fehlt dies, mache sich der Besitzer strafbar. Zu beachten sei ferner, dass beispielsweise Luftdruckgewehre nicht außerhalb des eigenes Grundstücks mitgeführt oder gar benutzt werden dürfen. „Wer damit schießt, muss sicherstellen können, dass die Kugeln nicht über das Grundstück hinaus fliegen“, sagt Mathias Ipsen.

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