Wadan-Pleite wirkt nach

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14. Juli 2010, 09:41 Uhr

Wismar | Eine Spezialbeschichtung vom Lackierer, saubere Werkhallen vom Industriereiniger oder Geländer vom Stahlbauer - einst arbeiteten 170 Zulieferer für die beiden Werften in Wismar und Warnemünde. Mit der Insolvenz der ehemaligen Wadan-Unternehmen vor einem Jahr gerieten auch sie ins Straucheln. Die Werftenkonnten seinerzeit keine Rechnungen mehr bezahlen. Auch Auftrge blieben lange aus. Das macht vielen Zulieferern bis heute schwer zu schaffen.

"Hilfe gab es für mich nicht", sagt ein Unternehmer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Zu groß ist die Sorge, später keine Aufträge mehr zu bekommen. Seine Mitarbeiter seien teilweise in Kurzarbeit, weil die großen Aufträge der Werft wegbleiben. Ein Wismarer Optiker lieferte einige hundert Schutzbrillen - 5000 bis 6000 Euro kosteten die. Das Geld habe die Firma bis heute nicht bekommt, erklärte die Inhaberin. "Bei einer Insolvenz hat man Pech gehabt", sagt sie. Einige Unternehmer haben die Zahlungsausfälle nicht verkraftet.

Eine Schweißerfirma ist pleite ebenso ein Unternehmer für Industriereinigung. Besonders hart hat es Firmen getroffen, die sich fast ausschließlich auf die Werft konzentriert haben. Mit einem Schreiben wandten sich die Zulieferer an Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Darin heißt es: "Die Zustimmung des Lenkungsausschusses und des Parlamentarischen Haushaltsausschusses waren Anlass für die Zulieferer, ihren Verpflichtungen den Werften gegenüber nachzukommen. Erst viel später stellte sich zu unserer Ernüchterung heraus, welche Einschränkungen die Werftenhilfe in Bezug auf die Zulieferer hat. Von dem heutigen Kenntnisstand ausgehend, die Beschränkungen betreffend, hätten wir unsere Dienstleistungen und Produkte den Werften im erfolgten Umfang nicht zur Verfügung gestellt."

Auf 90 Millionen Euro beliefen sich die Forderungen von Gläubigern der insolventen Werften. Mehr als 30 Millionen Euro entfielen davon nach eigenen Angaben auf Vertragspartner. Denen hate Land un Kammer versucht zu helfen und 170 Firmen im Land angesprochen. 40 seien auf eigenen Wunsch intensiv beraten worden, sagt Sprecher Gunnar Bauer. Außerdem habe das Ministerium die Bürgschaftsquote auf 90 Prozent angehoben, genauso wie den Höchstbetrag bei Kleindarlehen des Landes auf 500 000 Euro oder bei Gesprächen mit den Finanzämtern geholfen.

Auch die Industrie- und Handelskammern (IHK) in Rostock und Schwerin waren beteiligt. "Es gibt eine breite Klaviatur von Möglichkeiten", sagt Klaus Uwe Scheifler von der IHK Schwerin - beispielsweise die Hilfe bei der Vorfinanzierung von Aufträgen. Das Land dürfe die Ausfälle der Unternehmer aber nicht ausgleichen. Das sei durch EU-Recht untersagt. Scheifler ist aber optimistisch. "Viele Unternehmen haben sich frühzeitig in andere Richtungen orientiert."

Zulieferer hoffen indes, zumindest einen Teil des ausstehenden Geldes von der alten insolventen Werftgesellschaft zu bekommen. "Wenn sie eine Leistung erbracht haben, wird die bezahlt", sagt der Sprecher des Insolvenzverwalters Dietrich Schulze van Loon. Wie viel das sei, ist hingegen noch unklar. Das werde mittels einer Quote festgelegt, die sich wiederum an der Höhe der Forderungen bemisst. "Das nimmt aber noch Zeit in Anspruch", so Schulze van Loon. Bis Ende des Jahres soll das Insolvenzverfahren abgeschlossen sein.

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