Vorerst ruhen die Kettensägen

Der Streit um die Fällung von Apfelbäumen an der Straße Krembz-Neuendorf spitzt sich zu. Der Naturschutzbund Deutschland erhöht den Druck auf den Landkreis.

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08. Oktober 2008, 06:51 Uhr

Krembz - Die Obstbaumalleen an Mecklenburger Landstraßen sind einmalig und erhaltenswert. Mehr als 20 der teils 80 Jahre alten Bäume an der Straße Krembz bis zum Abzweig Neuendorf sollen der Kreissäge zum Opfer fallen, so zumindest will es der Fachdienst Bau und Liegenschaften vom Landkreis. Sein Argument: Erhöhung der Verkehrssicherheit (wir berichteten). Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hält weiter dagegen und will die stattlichen Bäume in der Kulturlandschaft erhalten.

Trotz mehrmaligen Schriftwechsel gestalten sich die Verhandlungen mit den Behörden schwierig. Während der Nabu als eingetragener Verein auf sein Recht zur Einsichtnahme in die Unterlagen pocht, verweist der Kreis auf ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten. Darin attestieren von der Verwaltung bestellte Fachleute, dass die Obstbäume nicht mit einem Pflegeschnitt zu retten sind. Genau in diesem Punkt finden Naturschützer und Kreisbediensteten bislang keinen gemeinsamen Nenner.

Während der Fachdienst Bau und Liegenschaften unter Leitung von Burkhard Bohm in einem Schreiben vom 2. Oktober noch seine Verwunderung über die gewünschte Akteneinsicht zum Ausdruck bringt, teilte die Pressestelle gestern auf Anfrage unserer Redaktion mit: „Die Akten liegen zur Einsicht bereit.“
Im besagten Schreiben sieht der Fachdienst Bau keine weitere Notwendigkeit einer zusätzlichen fachlichen Begleitung, denn mit einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Baumsanierung werde dem Rechnung getragen, heißt es im Brief an den Nabu. Das Ergebnis lautet: Fällung von 21 Bäumen. „Hinhaltetaktik“, so Ulf Gritzka-Bergmann aus Schönwolde. Denn im Schreiben wird sogar deutlich, dass die hauseigenen Naturschutzbehörde bislang nicht in die Fällarbeiten einbezogen wurde. Zitat: „..die Untere Naturschutzbehörde wird am kommenden Montag Einsicht in das Gutachten nehmen...“ – der 6. Oktober.

„Die ersten Bäume fielen im September der Säge zum Opfer“, so Gritzka-Bergmann. Mittlerweile habe Bohm die Arbeiten stoppen lassen. Für ihn eine Bestätigung: Hätte der Nabu nicht gehandelt wäre die Obstbaumallee längst Brennholz. Ob die Bürger und darüber hinaus der Nabu einen Kompromiss mit dem Landkreis finden, hängst vom Miteinander ab. „Taschenspielertricks und eine Behinderung der Kommunikation helfen nicht weiter“, so Ulf Gritzka-Bergmann.

Der Fall Obstbaumallee könnte zum ersten Prüfstein für die von Landrätin Birgit Hesse jüngst ausgerufenen bürgerfreundliche Verwaltung werden. Ob dem Fachdienst unter Leitung von Burkhard Bohm an ein Miteinander gelegen ist, muss dieser jetzt beweisen, um nicht das Ansehen der neuen Kreischefin zu schädigen. Der Nordwestkreis lies gestern mitteilen: „ Der Fachdienst Bau und Liegenschaften berät heute mit der Unteren Naturschutzbehörde die Thematik Obstbaumallee Krembz.“

Bergmann hofft, dass die Fachgremien in Grevesmühlen erkennen, dass Totholz in Obstbäumen keine Fällung rechtfertig. Und mit einem Pflegeschnitt die Jahrzehnte alten Bäume erhalten werden können – zumindest einige Exemplare.

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