Vorbestrafter Sexualstraftäter wieder in Brandenburg

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19. Oktober 2008, 06:41 Uhr

Joachimsthal (dpa) - Ein vorbestrafter Sexualstraftäter lebt wieder in seinem Heimatort Joachimsthal in Brandenburg, wo ihn Nachbarn nicht dulden wollen. Nach dem Abbruch einer Therapie- Vorbereitung in Mecklenburg-Vorpommern, wo es ebenfalls Proteste gegen seinen Aufenthalt gegeben hatte, kehrte der 50-Jährige am Freitag nach Joachimsthal zurück. Die Polizei sei mit einem Funkwagen zur Aufklärung in dem Ort unterwegs, sagte eine Sprecherin am Samstag. Proteste gegen die Rückkehr gab es diesmal nicht. „Bis jetzt ist alles ruhig“, sagte die Beamtin.

Der Mann war 22 Jahre in Haft, weil er mehrere Frauen und Mädchen vergewaltigt hatte. Anfang 2008 wurde er aus dem Gefängnis entlassen. Eine Sicherungsverwahrung kam nicht zustande. Deswegen hatten Bewohner von Joachimthal bereits demonstriert.

Der Mann wurde im Ort nicht geduldet. Bewährungshelfer versuchten, ihn zu einer Therapie zu bewegen. Als er sich dafür entschied, nahm ihn nach mehreren Anläufen im September eine Einrichtung in Zahren (Müritzkreis) auf.

Er wollte sich dort auf eine Therapie vorbereiten und war bereit, eine elektronische Fußfessel zu tragen. Aber auch dort blieben Proteste nicht aus. So forderte Landrätin Bettina Paetsch (CDU) eine Verlegung des Mannes. Seine Unterbringung bedeute eine Gefahr für die Bevölkerung, erklärte sie damals.

Der Leiter der sozialtherapeutischen Einrichtung, Uve Simon, sprach von einer „Hetzjagd“ gegen den Mann. Es habe ein Zusicherung des Schweriner Innenministeriums gegeben, dass er bis Ende 2008 bleiben sollte, sagte Simon. Jetzt sei aber über den Kopf des entlassenen Straftäters hinweg mit den Brandenburgern eine vorzeitige Rückkehr vereinbart worden.

Die müsse und wolle sich der Mann nicht gefallen lassen. „Er will sich verändern. Das braucht Zeit, Akzeptanz und Bezugspersonen über längere Zeiträume.“ Der Betroffene schrieb in einer Erklärung, er sei zu einer Therapie bereit, müsse aber irgendwo erst einmal Ruhe finden.

Für das Brandenburger Justizministerium kam die Heimkehr des Mannes überraschend. „Das war von einem Tag auf den anderen“, sagte Ministeriumssprecher Thomas Melzer am Samstag. Gespräche dazu habe es mit dem Justizministerium von Mecklenburg-Vorpommern nicht gegeben. „Beide Ministerien sind nicht zuständig.“ Der Mann habe selbst entschieden, dass er freiwillig in die Therapie-Vorbereitung gehe und habe diese freiwillig abgebrochen. Dies sei umso bedauerlicher, „da der Mann aus unserer Sicht erhebliche Fortschritte gemacht hat“.

Aber: „Der Druck von außen war enorm“, sagte Melzer. „Der Mann hat sich anhaltend stigmatisiert gefühlt, und das ist auch zu verstehen.“ Auch habe er Druck von der Anstalt nehmen wollen, der „insbesondere aus dem politischen Raum fehlende Fachkompetenz vorgeworfen wurde“. Der Betroffene sieht das offenbar anders. Er wolle den Kontakt zu seinen Betreuern aufrechterhalten, heißt es in seinem Schreiben.

Unklar ist, wie es mit dem Straftäter weitergehen soll. Das Ministerium sei bisher in vermittelnder Rolle aufgetreten, formell aber zu keinem Zeitpunkt mit dem Fall befasst gewesen, sagte Melzer. In Joachimsthal will sich eine Bürgerinitiative nicht mit der Rückkehr des verurteilten Täters abfinden. „Wir werden nicht locker lassen“, kündigte eine Sprecherin an. „Der Mann ist gefährlich.“

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