Vor "Münzmallorca" noch "dönieren"

Madlen Klaiber, Kristina Pusch  und Jenny Schermuly (v.l.) machen sich in der teils ungewöhnlichen Sprache der Jugendlichen schlau. Julia Bartz
Madlen Klaiber, Kristina Pusch und Jenny Schermuly (v.l.) machen sich in der teils ungewöhnlichen Sprache der Jugendlichen schlau. Julia Bartz

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28. August 2010, 03:11 Uhr

Bützow | Was ist ein "Emo?" Und wer oder was ist ein "Körperklaus?" Was bedeutet "Münzmallorca?" Und was ist eigentlich eine "Rentner-Bravo?" "Das neue Wörterbuch der Szenesprache" von Duden verrät, was hinter diesen Begriffen steckt. Wer solche Wörter benutzt, erntet hin und wieder einen verwunderten Blick. Sprache ist veränderbar. Was zu Großmutters Zeiten noch "toll" war, ist unter Szene-Menschen heute "derbe porno" .

SVZ fragt nach, ob auch die Bützower auf dem neuesten Stand der aktuellen Szenesprache, kurzum "fancy" (modisch, schrill), sind. "Recall kenn ich auf jeden Fall", sagt Madlen Klaiber und lacht. Sie und ihre Freundinnen analysieren das Wörterbuch ganz genau und können sich das Lachen nur selten verkneifen. Ihre Freundin Cornelia Thal kennt den Begriff "Flashmob." "Viele Menschen, die sich nicht unbedingt kennen, planen eine Aktion und treffen sich dafür an einem vereinbarten Ort. Da können sie die unterschiedlichsten Dinge machen, zum Beispiel tanzen", weiß die 22-Jährige.

Bei der "Buddelparty" bringt jeder eigene Getränke mit

Und Kristina Pusch ist sich sicher: "Dönieren kann nur schick Döner essen sein." Das Wort "Körperklaus" hingegen gibt den jungen Mädchen Rätsel auf: "Ich kann mir gut vorstellen, dass damit das Skelett in der Schule gemeint ist", erzählt Kristina Pusch. Bei den Begriff "Buddelparty" sind sich aber alle einig: "Das ist altbekannt. Jeder bringt seine eigenen Getränke zu einer Party mit", sagen sie alle fast im Chor.

Die Szene-Wörter kommen bei den Mädchen gut an. "Sie sind lustig, man kann mit den Wörtern viele Späße machen", erzählt Jenny Schermuly. Die vier Freundinnen erklären, dass vor allem Jugendliche Szene-Wörter verwenden, um sich von der älteren Generation abzugrenzen. "Manchmal ist es vielleicht auch ganz gut, wenn nicht alle mitbekommen, was man redet", sagt Cornelia Thal und lacht. Solche Szene-Wörter seien aber auch von Region zu Region unterschiedlich und nicht in dem Duden zu finden. "Wir benutzen zum Beispiel ,Citykringel oder ,Ortskontrollfahrt für eine Stadtrundfahrt", erzählen die Mädchen. Irmgard Raffel, 62, und Inge Drewes, 71, möchten hinter das Rätsel der Szene-Wörter kommen. "Das sind alles Begriffe, die man nicht hört", sagt Inge Drewes. "Ein Körperklaus ist vielleicht ein Athlet. Rudelgucken könnte gemeinsam fernsehen sein", könnte sich Irmgard Raffel vorstellen. Den Begriff "Recall" kennt die 62-Jährige noch von der Fernsehsendung "Deutschland sucht den Superstar." "Man kann sich schwer vorstellen, was die Begriffe bedeuten sollen", sagt Irmgard Raffel.

Mit der Jugendsprache beschäftigen sich zahlreiche Forscher. In seinem Buch "Jugendsprache und Jugendkultur" beschreibt Peter Schlobinski über die Entwicklung dieser Sprache: "Die Forschungen zur Jugendsprache waren und sind ein Spiegelbild der jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse, der Meinungen und Haltungen gegenüber der Jugend im jeweiligen historischen Kontext." Die eigentliche Jugendsprachforschung setzte erst nach 1945 an, denn durch die anglophilen Einflüsse boomte in den 1950er-Jahren eine eigenständige Jugendkultur, die sich gegen die Werte und Normen etablierter Erwachsenenkulturen stellte und weite Teile der Gesellschaft erfasste.

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