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Kraftfahrer aus Sternberg und Umgebung : Von sachlichem Nein bis Wahnsinn

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Die Preistafeln an den Tankstellen sorgen für Frust bei den Kraftfahrer. Jetzt sorgt das Zahlenspiel im Bundesverkehrsministerium zu einer Autobahngebühr auch für Pkw und Motorräder für neue Aufregung.

svz.de von
erstellt am 21.Apr.2011 | 12:20 Uhr

Die Preistafeln an den Tankstellen sorgen für Frust bei den Kraftfahrern, und das nicht erst seit Beginn der Osterferien. Der eine Cent Unterschied an den Zapfsäulen beidseits von Sternberg macht es auch nicht lohnenswert, nach dem günstigsten Anbieter Ausschau zu halten und dabei vielleicht noch Um wege in Kauf zu nehmen. Jetzt sorgt das Zahlenspiel im Bundesverkehrsministerium zu einer Autobahngebühr auch für Pkw und Motorräder für neue Aufregung. Wir fragten nach, was Kraftfahrer aus Sternberg und Umgebung davon halten.

"Ich halte davon gar nichts", bringt es Andrea Arndt auf den Punkt. Sie arbeitet in einer Sternberger Tankstelle und bekam gestern Morgen "selbst einen Schreck", dass die Spritpreise noch einmal heraufgesetzt worden waren. Das Tanken und vieles andere sei schon teuer genug, wenn Kraftfahrer jetzt noch mehr Abgaben zahlen müssten, würden "die Letzten vergrault, die für ihren

Arbeitsplatz einen längeren Weg auf sich genommen haben und jeden Tag mit dem Auto fahren müssen". Ihr Bruder zum Beispiel arbeite als Maurer in Hamburg und Lübeck, da müsse er täglich die Autobahn benutzen. Der Sohn der Kobrowerin wohnt in Bremen. Dorthin oder umgekehrt gehe es eigentlich auch nur über die Autobahn, dafür sei die schließlich gebaut. Aber auf einmal zusätzlich zu löhnen, sei nicht einzusehen. Und auch eine Jahreskarte würde ihren Preis haben, lehnt Andrea Arndt Maut oder Vignette für Pkw strikt ab. "Sicher, wenn im Gegenzug die Kfz-Steuer entsprechend gesenkt würde, wäre das gerecht. Dann müssten Ausländer hier auch bezahlen so wie die Deutschen mittlerweile in den meisten Nachbarstaaten. "Aber ich glaube einfach nicht, dass die Kfz-Steuer gesenkt wird, wenn für Pkw eine Autobahngebühr zu zahlen ist", ist die 46-Jährige angesichts schon häufiger falscher Versprechen von Politikern überzeugt.

Genau das ist auch für Manfred Kaminski aus Eickelberg der springende Punkt. "Mir kann keiner weismachen, dass Steuern verringert werden, wenn der Staat die einmal so festgelegt hat. Deshalb wäre es für mich der größte Wahnsinn, jetzt noch mehr bei Autofahrern abzukassieren. Der Sprit ist schon teuer genug, die Abgaben steigen ständig, nur die Einkommen nicht im gleichen Maße. Rentner bekommen nicht mal ein Prozent mehr", ärgert sich der 64-Jährige. "Unsereins fährt die kleinen Krücken", fügt der Fahrer von einem Golf älteren Jahrgangs hinzu. "Der Staat sollte sich das Geld mal bei den Politikern holen, die mit Umweltschleudern von 450 PS herumkutschieren."

Mit den Einzelheiten, wie sie in dieser Woche veröffentlicht wurden, habe er sich noch nicht vertraut gemacht, räumt Gerhard Blumenthal aus Sternberg ein. Natürlich ärgere er sich über neue finanzielle Belastungen, "doch ändern können wir daran sowieso nichts". Das zeige sich zum Beispiel bei den gepfefferten Kraftstoffpreisen, über die sich Politi-ker regelmäßig aufregen, aber nichts ändern würden. "Ich achte darauf, wann es am günstigsten zum Tanken ist, doch unsere Fahrzeuge müssen jeden Tag in der Woche rollen", sagt der 56-Jährige, der in Sternberg eine Gebäudereinigungfirma betreibt.

Das fehlende Vertrauen in vollmun dige Beteuerungen, für eine Pkw-Autobahngebühr einen Ausgleich zu schaffen, erweist sich als Hauptgrund für die Ablehnung bei Bürgern der Region. Er fahre nur in der Umgebung und nicht auf Autobahnen, sagt Udo Schwager. Eine Senkung der Kfz-Steuer als Ausgleich würde ihm daher sogar Bares bringen. Aber der 69-Jährige zweifelt eine solche Regelung stark an. "Es kommt doch genug Geld über die Kfz-Steuer rein. Die sollte erstmal richtig eingesetzt werden, bis man sich Gedanken über andere Einnahmen macht", meint der Mustiner.

Auch ein junger Sternberger, der seinen Namen nicht nennen möchte, nutzt mit dem Privatwagen keine Autobahnen. Insofern gehe die ganze Aufregung an ihm vorbei. Wenn er zum Shoppen nach Hamburg wolle, würde er mit dem Zug fahren, erklärt der junge Mann. Das wäre stressfreier und erspare die Suche nach einem Parkplatz. Außerdem liege die Einkaufsmeile genau gegenüber dem Hauptbahnhof. Ihm reiche es schon, von Montag bis Freitag mit dem Firmen-Transporter nach Hamburg zu fahren. Seine Freundin setze sich täglich in den Zug nach Rostock und fühle sich dabei viel entspannter.

Mark Bönig aus Sternberg sagt von sich, auch nicht der Vielfahrer auf Autobahnen zu sein. Er nutze gelegentlich ein Stück der A 14. "Aber für diese kurze Strecke noch extra Gebühren zu bezahlen, würde sich wirklich nicht lohnen." Da nehme er dann lieber etwas mehr Zeit auf anderen Straßen in Kauf, doch das sei doch auch nicht im Sinne des Erfinders. Wozu seien denn die Autobahnen gebaut worden?, fragt sich der 26-Jährige. Für ihn stehe fest: Maut oder Vignette sind auch deshalb unsinnig, "weil Pkw die Autobahnen am wenigsten kaputt fahren". Von einer Senkung der Kfz-Steuern als Ausgleich halte er ebenso wenig. "Dafür sollte lieber die Mineralölsteuer heruntergesetzt werden, damit der Sprit preiswerter wird", meint der Sternberger.

Fazit der kleinen Umfrage: Kraftfahrer aus Sternberg und Umgebung lehnen eine Pkw-Gebühr auf Autobahnen ab. Hauptgrund ist, dass sie Ankündigungen von Politikern nicht glauben, zum Ausgleich für deutsche Autofahrer die Kfz-Steuer zu senken.

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