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20. November 2017 | 03:17 Uhr

Von Parchim auf den Mars

vom

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erstellt am 21.Dez.2009 | 06:17 Uhr

Parchim | Der Schweinegrippe rücken in Deutschland nicht nur Mediziner zu Leibe. Maschinenbauer im mecklenburgischen Parchim pumpen gegenwärtig einen Großteil ihrer Energie in super schnelle Diagnosetechnik. Eine speziell für die Laboranalytik entwickelte Mikrozahnringpumpe, die kleiner ist als ein Kugelschreiber und feinste Mengen von Flüssigkeiten hochpräzise dosieren kann, werde jetzt weltweit zur Suche nach dem neuen Grippevirus H1N1 eingesetzt, sagt Thomas Weisener, Geschäftsführer der HNP Mikrosysteme GmbH in Parchim. Das Unternehmen wird morgen mit einer Ausstellung in Schwerin als einer der "365 Orte im Land der Ideen" geehrt.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Spritzenpumpen schafft das winzige Hightech-System aus Parchim einen deutlich schnelleren Probendurchlauf, wie Technikleiter Gerald Vögele erklärt. Zahnringpumpen hätten einen geringeren Wartungsaufwand, brächten mehr Sicherheit für die Laborautomaten und genauere Testergebnisse. Dank des Aufschwungs der Analysetechnik in diesem Jahr seien Einbrüche im Maschinen- und Anlagenbau kompensiert worden, berichtet Geschäftsführer Weisener. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA in Frankfurt/Main registrierte für die Branche insgesamt 35 Prozent weniger Aufträge von August bis Oktober im Vergleich zu 2008. Demgegenüber habe sich die ressourcensparende Mikrotechnik in den vergangenen zehn Jahren zu einem Multimilliardenmarkt entwickelt, der 2005 weltweit ein Volumen von 150 Milliarden Euro erreichte, rechnet Weisener vor, der auch Vorsitzender der VDMA-Fachgruppe Micro Technology ist.

HNP erhöhte 2009 die Zahl der Mitarbeiter auf 35 und stabilisierte den Umsatz bei vier Millionen Euro. Verkauft wurden 3100 Minipumpen, 900 mehr als 2008. Die 1996 gegründete HNP Mikrosysteme GmbH gehört eigenen Angaben zufolge mit vier weltweiten Patenten zu den Marktführern für Mikropumpen. Rund 80 Prozent der Produktion gingen in den Export. Mit 75 Millimetern Länge und 13 Millimetern Durchmesser sind die Pumpen klein, kompakt und nur 56 Gramm schwer. Die Apparaturen fördern Flüssigkeitsmengen im Mikroliterbereich. Vorteile der Zahnrad-Technologie gegenüber Kolben- oder Spritzenpumpen seien die exakte gleichmäßige Förderung geringster Mengen Wasser, Klebstoff, Silikon, Öl oder Chemikalien. Die miniaturisierten Systeme kommen in der Analyse- und Verfahrenstechnik, Feinchemie, Brennstoffzellenfertigung, der Automobil-, Lebensmittel-, Medizin-, Luft- und Raumfahrttechnik zum Einsatz. Die US-Weltraumbehörde Nasa orderte bereits Pumpen für eine Marssonde zur Suche nach Wasser auf dem Roten Planeten. 2008 arbeiteten acht Minimaschinen im biologischen Labor der Raumstation ISS. Und seit vorigem Jahr erzeugt ein Forscherteam der Technischen Universität in Garching (Bayern) mit zwei Parchimer Mikropumpen künstliche Spinnfäden für super stabile Synthetik-Seide.

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