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Walter Piehl aus Alt Schlagsdorf : Von Fischerei kann man nicht leben

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Hechte, Barsche, Plötze, ein Aal und ein paar Maränen - das sind die Ausbeute dieses Tages von Fischer Walter Piehl auf dem Groß Labener See. Enkelsohn Nick zeigt noch stolz eine Quappe.

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erstellt am 26.Apr.2011 | 11:44 Uhr

Hechte, Barsche, Plötze, ein Aal und ein paar Maränen - das sind die Ausbeute dieses Tages von Fischer Walter Piehl auf dem Groß Labener See. Enkelsohn Nick Reingrabe zeigt noch stolz eine im See nicht so häufige Quappe. Gerade an den Tagen um Vollmond ist die Ausbeute des Fischers eher mager . Und es gibt auch wieder ganz andere Tage mit reicherem Fang.

"Von der Fischerei kann man nicht leben", sagt Walter Piehl, als er mit seinem Kahn am Steg des Groß Labenzer Sees festmacht. Der Handel gehöre dazu. Mit seinem Fisch, so sagt er, zottelt er durch vier Bundesländer. Eine große Menge des Fangs geht veredelt als Räucherware über den Tresen.

"Das Kaufverhalten hat sich geändert",erklärt der Fischer vom Groß Labenzer See. Die Fische mit Gräten werden immer unbeliebter, die Menschen wollen Filets. Und wohl die meisten greifen lieber zu einer Packung aus dem Tiefkühlfach beim Discounter statt zum Lebensmittel aus dem heimischen See. Das ist vor allem auch eine Frage des Preises. Durch die steigenden Abgaben wie für Strom und Co. sind viele gar nicht mehr in der Lage, sich frischen Fisch zu kaufen, meint Piehl: "Die Bürger brauchen mehr Geld in der Kasse, dann regelt sich manches von ganz allein."

Seit 1993 hat Fischer Walter Piehl aus Alt Schlagsdorf den Labenzer See gepachtet und geht seit kurzem auch neue Wege durch eine Zusammenarbeit mit einem Karpfenangelclub aus Hamburg (SVZ berichtete). Er hat die Angelberechtigung für seinen See an die Hansestädter vergeben. "Wir brauchen den Angeltourismus unbedingt", meint der Fischer.

Die Hamburger setzen Karpfen in den Labenzer See, der Fischer bestückt ihn mit Aalen. Das ist hier aber sein einziger Fischbesatz, erklärt Walter Piehl. Andere Arten sorgen mittlerweile für die eigene Reproduktion. Die Bestände an Hechten und Barschen haben sich stabilisiert. Bekannt ist der See auch für seine Maränen.

Der Groß Labenzer See ist von der Europäischen Union als Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Schutzgebiet eingestuft. Bis jetzt hat dieser europäische Schutzstatus für den Fischer keine Einschränkungen gebracht.

Erwin Deckert, der seit fast zwei Jahrzehnten Fischer Piehl auf diesem Gewässer hilft, berichtet vom Schaden, den die Kormorane anrichten. Sie reißen Maränen aus den Netzen. Jeweils 50 von diesen gefräßigen Vögeln lebten im Vorjahr auf beiden Seiten des Labenzer Sees.

Über Probleme mit diesen Vögeln klagen Fischer des Landes seit Jahren. Durch Kormorane entsteht hierzulande ein weitaus größerer Schaden als durch Wölfe, sagt Fischer Piehl. Dass der Landwirtschaftsminister in Schwerin extra einen Fonds aufgelegt hat, um Schafhaltern ihre Schäden durch die wenigen Wölfe zu ersetzen, findet Walter Piehl, ungerecht gegenüber den Fischern und ihren Verlusten durch die Kormorane. Piehl: "Die kriegen ihre Schafe bezahlt, wir kriegen gar nichts."

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