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Gebbin: Ausstellungen Maximilian Schmiedel und Barockkonzert : Von einer Wirklichkeit in die andere

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An diesem Freitag beschert ein Barock-Konzert des Solinger Ensembles Ludwigslust ein weiteres hochkarätiges Kulturerlebnis in der Grebbiner Kirche.

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erstellt am 20.Jul.2011 | 11:58 Uhr

Zwei Gedächtnisausstellungen würdigen noch bis Ende des Monats in Grebbin das Werk des 2005 verstorbenen Künstlers Maximilian Schmiedel. An diesem Freitag beschert ein Barock-Konzert des Solinger Ensembles Ludwigslust ein weiteres hochkarätiges Kulturerlebnis in der Grebbiner Kirche.

Obwohl Maximilian Schmiedel nur 33 Jahre alt wurde, hinterließ er schätzungsweise mehr als 300 Arbeiten. Verwaltet wird der Nachlass von seinem Vater, dem Crivitzer Bildhauer Wieland Schmiedel - von ihm stammt u.a. die Skulptur Core vor dem Parchimer Stadthaus. In der Grebbiner Kirche nun sind von Maximilian Schmiedel "Köpfe" in Bild und Plastik zu sehen, in der Galerie über der Werkstatt (Schulstr. 3) "Objekte".

Das Bemerkenswerte an den Werken ist ihre Präsenz

Der Betrachter folgt dabei Maximilians "bildnerischem und gedanklichem Gang von einer Wirklichkeit in die andere", wie es der Kunsthistoriker Norbert Eisold anlässlich einer Ausstellungseröffnung mit Werken Maximilian Schmiedels in Neumünster sagte. Ei sold betont, das Bemerkenswerte an den Arbeiten sei für ihn die Präsenz: Maximilian habe "unmittelbar und unverfälscht das wiederzugeben versucht, was ihn zum Schaffen drängte", statt einer Kunst, die ihren Weg in der Entwicklung oder Erneuerung des Formalen sucht.

In der in diesen wolkenverhangenen Tagen eher dunklen Grebbiner Kirche sind es denn auch zuallererst die Augen der im Kirchenschiff und auf dem Altar platzierten Gouache-Köpfe, die den Betrachter in den stillen Dialog ziehen. Schwarze Tusche mischt sich mit expressiven Farben. Einen besseren Ort als diese Kirche in diesem stillen Dorf scheint es für die um 2004 entstandenen Werke nicht zu geben. Ruhe als Voraussetzung für Leben, für seelische Reflexionen, wie sie der Künstler in seinen letzten Jahren vielleicht durchlebt hat. Mag es auch zu kurz gedacht sein, diese Werke als Interpretationen des inneren Zustands zu rezipieren, so bleiben sie nicht ohne Wirkung auf den Betrachter, der - auch wenn es banal klingt - versucht ist, den Dialog mit "Max." aufzunehmen. Natürlich muss es beim Monolog bleiben - wertvoll genug in einer zugeschallten und informationsvermüllten Realität. Die Köpfe bleiben, der Betrachter nimmt sie mit in die Galerie über der Werkstatt schräg gegenüber.

Und hier, welch Kontrast zur dunklen Kirche: Ein lichtdurchfluteter Raum präsentiert die meist hellen Objekte Maximilian Schmiedels. Stille Instrumente mit melancholischem, unhörbarem Klang. Der Reiterturm aus Gipsbinden auf Holz, geschaffen 2004, steht in der Mitte. "Wie benommen von der unerwarteten Raumwirkung dieses weißen Antidenkmals" zeigte sich der Grafiker Manfred Butzmann bei dessen Anblick. Ein schwebendes "Denkmal" ohne Sockel, alles transparent, ein Reiter an Fäden befestigt - allein für den reflektierenden Kontakt mit diesem Werk lohnt der Weg nach Grebbin. Manfred Butzmann kamen Gedanken an "Sieg und Vergeblichkeit, nutzloses Streben und hehres Sehnen, an Unerreichbarkeit ewigen Glücks". Dieses "Denkmal" scheint genau in unsere Zeit zu passen.

Zu danken ist Ina Maurer und Johannes Borngässer für ihre Initiative, mit der Grebbiner Galerie hiesigen Künstlern und Kunstfreunden einen Ort zu geben. Zu danken ist besonders Wieland Schmiedel, der das Lebenswerk seines Sohnes im besten Sinne würdig verwaltet und diesen Schatz einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert.

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