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12. Dezember 2017 | 22:42 Uhr

Von Dornröschen und An-Stiftern

vom

Schwerin. Mit einem Konzert im Schweriner Staatstheater sowie der Gründung einer Stiftung begehen die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstag ihr 20-jähriges Bestehen. Ab 13. Juni dann startet das mittlerweile drittgrößte deutsche Klassik-Festivals wieder in einen hochkarätig besetzten Konzertsommer. Mit Intendant Matthias von Hülsen sprach Susanne Schulz.

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erstellt am 10.Mai.2010 | 07:16 Uhr

Schwerin | Mit einem Konzert im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin an diesem Donnerstag sowie der Gründung einer Stiftung begehen die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstag ihr 20-jähriges Bestehen. Ab 13. Juni dann startet das mittlerweile drittgrößte deutsche Klassik-Festival wieder in einen hochkarätig besetzten Konzertsommer. Mit Intendant Matthias von Hülsen sprach Susanne Schulz.

Einen Monat vorm Beginn der neuen Saison feiern Sie in dieser Woche das Jubiläum, vorausgegangen ist bereits ein Gastspiel im Bucerius Kunst Forum Hamburg. Denken wir auch an die Advents- und Neujahrskonzerte - entwickeln sich die Festspiele zum Ganzjahresereignis?

von Hülsen: Nein, das nicht. Die Adventskonzerte in Ulrichshusen sind einfach schon eine beliebte Form geworden. Und das Konzert in Hamburg war eine kleine Besonderheit. Die "Zeit"-Stiftung, die auch unser Artist-in-Residence-Programm unterstützt, hatte uns gebeten, eine Ausstellung im Bucerius Kunst Forum mit Musik zu begleiten -was wir natürlich gern tun. Zumal ein wichtiger Teil unseres Publikums und auch der Sponsoren aus Hamburg kommt. Dieses Gastspiel war also keine Saisonverlängerung, sondern ein kleines Leuchtfeuer.

Auch wenn Sie den Verweis auf Rekorde meiden, setzen Sie doch wieder Höchstmarken mit 125 Konzerten an 89 Orten, davon 29 neuen Spielstätten. Purzeln Ihnen die Rekorde zu?

So könnte man es nennen. Das liegt an der Resonanz, die wir in Mecklenburg-Vorpommern und weit darüber hinaus finden. Wir würden diese Dimension ja nicht ausfüllen, wenn wir nicht das Publikum dafür hätten. Ganz schwierig ist im Herbst immer die Reise, die wir unternehmen, um die Spielstätten für die nächste Saison auszuwählen. Viele neue Orte aufzunehmen, heißt ja, dass andere nicht mehr dabei sind, die wir natürlich enttäuschen. Der Nachfrage geben jedenfalls neue Formate immer einen großen Schub - so wie in diesem Jahr die Reihe "Sleeping Beauties" oder die "Klostertour".

Manch potenzieller Gastgeber mag sich nicht ins Gespräch bringen, weil er glaubt, nur glamouröse Stätten kämen in Frage. Mit den "Sleeping Beauties", also Dornröschen, setzen Sie in diesem Jahr ganz andere Signale - zugunsten vom Verfall bedrohter Baudenkmäler unter anderem in Retzow, Ludwigsburg und Penkun.

Genau das ist unser Anliegen. Diese Schlösser sind Orte von großem kulturhistorischem Wert, die auf den Reichtum dieses Landes hinweisen. Wenn dann nur ein einziger finanzkräftiger Musikfreund sagt "Um dieses Baudenkmal will ich mich kümmern", haben wir schon eine Menge erreicht. Dass sich Menschen engagieren, erreichen wir nur, indem sie sich verlieben.

Sie sprachen schon an, dass ein großer Teil der Festspielbesucher von außerhalb des Landes kommt, um Musiker von internationalem Rang zu erleben. Wie gewährleisten Sie, dass das Land mehr ist als nur ein schöner Schauplatz?

Indem das Programm auf mehreren Säulen ruht. Eine ganz wichtige davon ist die Reihe "Junge Elite", denn der internationale Künstlerstamm entsteht letztlich durch die Nachwuchsförderung unseres Preisträgersystems. Eine weitere Säule ist die Reihe "Musik aus MV", hervorgegangen aus der Fusion mit dem Musiksommer. Mahlers "Sinfonie der Tausend" mit Orchestern und Chören aus dem Land markiert da in diesem Jahr ein mecklenburgisches Riesen-Kunstereignis. Hinzu kommen viele lokale Initiativen und Klangkörper, teils in der Mischung mit internationalen Musikern, die das wiederum ganz reizvoll finden.

Sie selbst prägen als Intendant wesentlich das Profil der Festspiele. Akzente setzen auch Daniel Hope als künstlerischer Partner, Gábor Boldoczki als Artist in Residence und die Porträtkonzerte des türkischen Pianisten Fazil Say. Trägt somit das Festival eigentlich mehrere Handschriften?

Es ist ein Künstlerfestival. Zu unserem Grundverständnis gehört es, Musikerkarrieren zu begleiten und zu fördern. Das bringt ungeheure Impulse, die Künstler kommen mit tollen Ideen, die sie hier umsetzen können. Daniel Hope hat wunderbare internationale Verknüpfungen, die uns in diesem Jahr zu einer "Außenstelle" der Carnegie Hall machen. Das Artist-in-Residence-Programm bringt Virtuosen, die gewissermaßen mit den Festspielen groß geworden sind, zum Leuchten. Und das Porträt, wie es im vergangenen Jahr Hélène Grimaud gewidmet war, stellt einen Künstler in verschiedenen Facetten vor. Das findet das Publikum spannend, und wir auch.

Sie planen die Gründung einer Stiftung. Aber nicht, um anstelle der GmbH als Träger der Festspiele zu wirken?

Ein Änderung der Rechtsform ist derzeit kein Thema. Die Stiftung, die wir am Donnerstag beim Festkonzert aus der Taufe heben wollen, wird aber unser Fundraising-Profil enorm abrunden. Schon mehrere Persönlichkeiten haben sich mit beträchtlichen Summen als An-Stifter zur Verfügung gestellt. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens stellt auch das Land eine Million Euro in Aussicht, um für jeden Euro, den wir von Stiftern erhalten, einen Euro hinzu zu legen. Der Ursprung dieser Idee liegt schon in der Amtszeit meines Vorgängers Sebastian Nordmann und der vorherigen Landesregierung unter Harald Ringstorff. Sie zu verwirklichen, ist jetzt mit dem Jubiläum ein wunderbarer Zeitpunkt.

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