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Wir sprachen mit Olympiasieger Dieter Baumann : Von der Tartanbahn auf die Bühne

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Das Laufen lässt Dieter Baumann nicht los, aber der 5000-Meter-Olympiasieger von 1992 läuft nicht nur, er bringt das Laufen auch auf die Bühne. Der Langstreckler ist jetzt Kabarettist.

Das Laufen lässt Dieter Baumann nicht los, aber der 5000-Meter-Olympiasieger von 1992 läuft nicht nur, er bringt das Laufen auch auf die Bühne. Der Langstreckler ist jetzt Kabarettist. Er tritt am Freitag um 20 Uhr in Schwerin im Speicher auf. Seine Zuhörer wird er mit vielen Anekdoten und Zahnpastatuben unterhalten. Karsten Krüger sprach mit dem 46-Jährigen.

Herr Baumann, am vergangenen Freitag haben Sie am 100-Kilometer-Lauf in Biel in der Schweiz teilgenommen. Schon wieder fit für den Auftritt in Schwerin?

Baumann: Ich bin noch sehr kaputt, aber die drei Stufen auf die Bühne werde ich schaffen. Mit Bewegungen werde ich mich zurückhalten, dafür wird mein Publikum in Bewegung kommen.

Von der Tartanbahn auf die Kleinkunstbühne. Wie kam es dazu?

Das war ein Prozess. Bei Vorträgen habe ich gemerkt, dass die Zuhörer bei den Powerpoint-Folien fast eingeschlafen sind, aber bei meinen Geschichten rund ums Laufen sind sie wach und hören gebannt zu. Aus der Not habe ich eine Tugend gemacht und die besten Geschichten zu einem Programm zusammengestellt. Meinen Zuhörern gefällt es.

Was ist für Sie anstrengender: Ein Langstrecken-Wettkampf oder ein Kabarett-Abend?

Ein Lauf auf der Bahn ist anstrengender, da geht es an körperliche Grenzen. Auf der Bühne spiele ich mit dem Publikum, das ich einbeziehen will. Im Stadion laufe ich alleine. Aber beides ist wie ein Wettkampf. Auf der Bühne muss ich auch kämpfen, um jeden Witz, um jede Pointe. Reizvoll ist auch, dass ich mich auf der Bühne verbessere, nach jetzt mehr als 100 Auftritten.

Noch ein Vergleich: Eine neue Bestzeit oder der Applaus nach dem Auftritt - was ist angenehmer?

Auf der Bühne wird nicht in Sekunden gemessen. Um beim Publikum anzukommen, muss die Zeit nicht stimmen. Ich bin ein Bühnenmensch. Ich wage nicht zu behaupten, dass ich es kann, aber dem Publikum scheint es zu gefallen. Und ich liebe den Applaus.

Ihr Programm heißt "Currywurst, Kenia, Körner". Hören Ihre Gäste auch etwas über Nandrolon, Zahnpasta und Dopingverdacht?

Nandrolon kennt keiner, aber mit Zahnpasta verbinden mich viele. Das muss natürlich im Programm vorkommen. Da war ich mit meinen Kabarett-Beratern einig.

Sie nehmen also den Dopingverdacht auf die Schippe. Kommt die Selbstironie an?

Das Publikum sieht zuerst den Athleten Baumann. Es braucht Zeit, den Bühnenmenschen, also den ungewöhnlichen und eher unbekannten Baumann kennen zu lernen. Darum kommt die Zahnpastatube erst kurz vor der Pause und im zweiten Teil ins Spiel. Meine Zuhörer sind zufrieden, sie lachen. Mehr erwarten sie nicht.

Welchen Baumann hat das Publikum nach den zwei Stunden Kabarett im Kopf?

Ich denke den neuen Baumann, die Schlagworte und Schlagzeilen von gestern verblassen. Die Wirkung ist immer sofort eine andere, wenn man sich unerwartet präsentiert. Viele haben mir diese neue Rolle gar nicht zugetraut. Es macht mir nichts, mich auf der Bühne darzustellen.

Sie touren mit Ihrem Ein-Mann-Kleinkunstprogramm, schreiben Laufkolumnen und sind Leichtathletiktrainer. Ohne Laufen geht es nicht, oder?

Mein Leben ist Laufen. Jetzt beschäftige ich mich noch kreativer mit meinem Lieblingsthema, denn nur Vorträge über die richtige Atmung oder Laktatwerte waren mir nicht genug. Und aktives Laufen war und ist noch immer tägliche Lust.

Sie bezeichnen sich gerne als "Lebensläufer"...

Ja, es ist für mich eine Art Therapie. Andere rauchen eine Zigarette, um zu entspannen, ich laufe. Dann fühle ich mich wohl, bin in der Balance.

Die deutschen Langstreckler sind selten in der Balance. Wann holt der nächste Deutsche wieder eine Medaille?

Das kann dauern. Eher auf der Mittelstrecke bei einem taktischen Rennen. Der grundlegende Fehler ist: Laufen muss man leben, 24 Stunden jeden Tag, auch beim Mittagsschlaf. Ich vermisse bei vielen die klare Priorität. Die Trainer, ich schließe mich da nicht aus, sind bemüht, wirbeln und wurschteln, aber die letzte Konsequenz fehlt.

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erstellt am 22.Jun.2011 | 12:42 Uhr

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