Von der Sonne abgeschaut - Wissenschaftler wollen mit Kernfusion Energie erzeugen, Symposium in Rostock

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15. September 2008, 06:12 Uhr

Rostock - In Zeiten steigender Öl-Preise und wachsender CO2-Belastung der Atmosphäre ist die Suche nach alternativen Methoden zur Energiegewinnung bedeutsamer denn je. Auf einem internationalen Symposium tauschen sich derzeit etwa 700 Wissenschaftler über die Chancen der Kernfusion aus.

Noch bis zum Freitag ist die Elite der internationalen Forschung auf dem Gebiet der Fusion in Rostock versammelt. Die Wissenschaftler und Ingenieure beraten sich über die neuesten Entwicklungen. „Wir haben uns gerade deshalb für ein Treffen in Rostock entschieden, weil wir so die Möglichkeit haben, am Mittwoch in Greifswald den Wendelstein 7-X zu begutachten“, erklärt Prof. Thomas Klinger vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik.

Wendelstein 7-X ist ein experimenteller Stellarator, der derzeit aufgebaut wird und dessen Montage 2014 beendet sein soll. Er ist eine Vorstufe zum Fusionsreaktor.

Fusionsenergie ist sicher und umweltfreundlich
Fusion ist das Gegenteil von Kernspaltung, wie sie in Atomkraftwerken zur Energiegewinnung genutzt wird. „Ein Vorteil der Fusion ist, dass die Produkte nicht endgelagert werden müssen“, so Klinger. Das entstehende Helium sei harmlos.

Das Prinzip haben sich die Wissenschaftler von der Sonne abgeschaut. Diese erzeugt Energie aus der Verschmelzung von Wasserstoffkernen, bei der Wärme freigesetzt wird. Um die passenden Bedingungen für eine solche Reaktion auf der Erde nachzustellen, verwenden die Physiker ein ringförmiges Magnetfeld. In diesem wird Plasma erzeugt.

„Das ist ein sehr dünnes Gas, dass mit speziellen Heizmethoden auf eine Temperatur von 100 Millionen Grad Celsius gebracht wird“, beschreibt Klinger. Die Teilchen des Gases stoßen bei der Erwärmung aufeinander und verbinden sich. Dabei wird Energie freigesetzt.

Mit einem Gramm Brennstoff könnten in einem Kraftwerk 90 000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Zum Vergleich: Dazu wären 11 Tonnen Kohle nötig. Forschungen auf dem Gebiet der Fusion gibt es bereits seit mehreren Jahrzehnten. Seit Mitte der 80-er Jahre konzentrieren sich die internationalen Entwicklungen in einem gemeinsamen Projekt – ITER.

Der Zusammenschluss von Wissenschaftlern aus der Europäischen Union, Japan, China, Indien, Südkorea, Russland und den USA arbeitet an der Fertigstellung eines Prototypen. Dieser soll die technische Umsetzbarkeit der Energiegewinnung durch Kernfusion demonstrieren. „Der ITER wird voraussichtlich am Ende der kommenden Dekade fertig gestellt“, so Holtkamp, stellvertretender Direktor von ITER Frankreich.

EU fördert ITER zu 45 Prozent
Leider fehle nach wie vor der Schritt in die Industrie und somit auch ein erheblicher Anteil an Fördermitteln. Die ursprünglich veranschlagte Summer belief sich auf 5,5 Milliarden Euro. „Wenn es nicht zu einer konzentrierten Aktion kommt, dann wird die erste Anlage erst in 50 Jahren am Netz sein.“

Standort der Testanlage ist Cadarache in Südfrankreich. Als Gastgeber kommt daher die EU für 45 Prozent der Kosten auf. Octavi Quintana-Trias, Leiter der Europäischen Kommission zur Fusionsforschung, sprach gestern jedoch nicht von finanziellen Problemen: „Es kommt auf die eigenen Prioritäten an, ob uns etwas teuer erscheint.“ Der Bau des ITER sei essenziell für die Zukunft. „Es geht um den Bau einer neuen Energiequelle.“

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