Die Flora des Landkreises Parchim im Spiegel botanischer Forschung : Von der Arnika bis zum Wunder-Veilchen

Europäischer Sumpfporst
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Wo im Landkreis Parchim sind die Korn-Rade, die Gewöhnliche Kuhschelle oder die Osterluzei zu finden? Wie kam die Spanische Resede nach Parchim? Welche geschützten Arten birgt unsere heimische Pflanzenwelt?

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23. Dezember 2010, 04:36 Uhr

Parchim | Wo im Landkreis Parchim sind die Korn-Rade, die Gewöhnliche Kuhschelle oder die Osterluzei zu finden? Wie kam die Spanische Resede nach Parchim? Welche geschützten Arten birgt unsere heimische Pflanzenwelt und welche Neubürger sind in ihr nachgewiesen?

Wer Antworten auf diese und viele andere Fragen sucht, findet sie in "Die Flora des Landkreises Parchim 2009 (Prodromus)". Dieses mehr als 600 Seiten umfassende Werk widerspiegelt aktuelle Kenntnisse über die Pflanzenwelt des Landkreises Parchim und die Geschichte ihrer Erforschung. Es bietet nicht nur Spezialisten eine Fülle von Informationen und interessanten Lesestoff.

Walter Kintzel schrieb es mit seinem Herzblut und dem Sachverstand des aktiven Naturschützers. Er setzte damit fort, was sein von ihm verehrter Lehrer W. Dahnke für den Kreis Parchim(1956) und dessen Lehrer W. Lübstorf (1897) für die Parchimer Feldmark begonnen hatten. Von deren Mitteilungen ausgehend bündelte er seine über Jahrzehnte zielgerichtet gesammelten Beobachtungsergebnisse mit denen anderer Geobotaniker unserer Region und entwarf ein zwar nicht lückenloses, doch in Teilen sehr genaues Bild der Wildpflanzen unserer unmittelbaren Umwelt.

Damit fügte er der botanischen Literatur unserer Region einen auch in fernerer Zukunft nicht zu übersehenden Beitrag hinzu. Dr. H. Henker, der Co-Autor der "Flora von Mecklenburg-Vorpommern"(2006), ein Dahnke-Schüler wie Walter Kintzel, würdigte die Arbeit mit den Worten: "Es ist eine hervorragende Zusammenstellung geworden, wie es sie in dieser Form und in diesem Umfang wohl nicht ein zweites Mal in Mecklenburg-Vorpommern gibt. "

Im Sommer dieses Jahres übergab Walter Kintzel seine Arbeit seinen "Exkursionskollegen", den Naturschutzbehörden und zur Einsicht für Interessierte dem Heimatmuseum Parchim. Auf der Herbsttagung des Heimatbundes stellte er sie dessen Mitgliedern in einem Power-Point-Vortrag vor (SVZ berichtete). Kintzel führt die Sippen im "Prodromus 2009" nicht - wie sonst in Floren üblich - nach ihren verwandtschaftlichen Beziehungen auf. Sein Ordnungsprinzip folgt naturschutzrelevanten und naturräumlichen Gesichtspunkten. Durch die Gegenüberstellung überlieferter und aktueller Befunde werden gravierende Veränderungen unserer Flora seit ihrer letzten Beschreibung vor etwa 50 Jahren (DAHNKE: Die Flora des Kreises Parchim, 1956) erkennbar. Sie begründen die Notwendigkeit ihrer aktuellen Erfassung und Dokumentation im Interesse des Natur- und Artenschutzes nachdrücklich. Deutlich zeigen tabellarische Übersichten der ausgestorbenen, der verschollenen und der neu eingebürgerten Arten die Dynamik in unserer Pflanzenwelt. Dass Wandlungen maßgeblich durch veränderte Wirtschafts- und Lebensweise im ländlichen Raum verursacht sind, wird u. a. im Kapitel "Dorfpflanzen" erläutert. Der Zusammenhang zwischen der Globalisierung der Wirtschaft und unserer Flora wird im Kapitel "Stinzenpflanzen" nachvollziehbar.

Nachdenklich stimmen die negativen Bestandsentwicklungen vieler Pflanzenarten, die einem besonderen Schutzstatus unterliegen. Im Kapitel "Vorkommen, Vergesellschaftung und Soziologie der Kategorie-I-Arten der Roten Liste" werden Sippen unserer Flora vorgestellt, die als "Perlen" unserer Flora angesehen werden können und für deren Schutz der Landkreis eine besondere Verantwortung trägt. Die Liste umfasst, von der Arnika bis zum Wunder-Veilchen, etwa 50 Arten, darunter die Gewöhnliche Kuhschelle, die Spanische Resede, den Englischen Ginster und den Kolben-Bärlapp. Ausführlich werden deren Standortansprüche und Vergesellschaftung beschrieben und die Fundorte mitgeteilt. Und immer gibt der Autor Hinweise zu durchgeführten oder notwendigen Naturschutzmaßnahmen.

Ausführlich behandelt Walter Kintzel die einst häufige Arnika, von der in Mecklenburg-Vorpommern nur vier Vorkommen existieren. Im Kreis Parchim hat sie im Quasliner Moor ihren einzigen Standort. Seit 1980 verfolgt Kintzel die Entwicklung ihrer Population.

Unweit von ihrem Biotop, für den spezielle Pflegemaßnahmen entwickelt wurden, blüht die Kornrade in einem 1977 für sie geschaffenen Ackerwildkrautreservat. Vor 80 Jahren war sie so häufig wie die Kornblume. 1959 wurde sie letztmalig in einem Getreidefeld bei Lübz beobachtet. Das Vorkommen weiterer geschützter und seltener Arten räumt dem Quasliner Moor unter den floristisch bedeutsamen Lebensräumen (Tabelle 4) im Landkreis Parchim einen Spitzenplatz ein.

Im Kapitel "Bemerkenswerte Pflanzen" ist die interessante Entdeckungsgeschichte der Spanischen Resede mitgeteilt, die ins Jahr 1878 zurückreicht. In einem Kiefernwäldchen bei Parchim hat sie ihren einzigen Standort in der Bundesrepublik, der als FND unter Schutz gestellt ist und von der Forst regelmäßig die nötige Pflege erfährt. Andeutungsweise mögen diese Beispiele Einblicke in die Fülle der Informationen geben, die die "Flora des Kreises Parchim 2009" über unsere heimische Pflanzenwelt vermittelt. Eine übersichtliche Gliederung, zahlreiche Abbildungen, Tabellen und Diagramme ermöglichen einen schnellen Zugang zu ihnen und laden zum Nachlesen ein. Eine ausführliche Funddatei aller erfassten Beobachtungen ergänzt das Werk als Anhang.

Für alle, die sich für unsere Wildpflanzen interessieren, kann die "Flora des Landkreises Parchim 2009" als eine vorzügliche Quelle empfohlen werden. Allerdings ist sie nicht im Handel erhältlich. Für den praktischen Florenschutz in unserem Kreis bildet sie eine wesentliche Grundlage.

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