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Neubrandenburger Ingenieure entwickeln neuen Energiewandler : Vom Küchentisch zum Marktführer

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Die Idee hat ihn 40 Jahre nicht losgelassen. Eine Rotationskolbenmaschine, ähnlich einem Wankelmotor, wollte Maschinenbauingenieur Eggert Günther aus Bad Doberan 1971 entwickeln.

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erstellt am 05.Apr.2011 | 11:14 Uhr

Später Erfolg: Die Idee hat ihn 40 Jahre nicht losgelassen. Eine Rotationskolbenmaschine, ähnlich einem Wankelmotor, wollte Maschinenbauingenieur Eggert Günther aus Bad Doberan 1971 entwickeln. Das Dieselmotorenwerk Rostock plante, den Schiffsantrieb damit grundlegend zu modernisieren und stellte die Entwicklungsarbeiten nur ein Jahr später aus ökonomischen Gründen doch wieder ein. Vier Jahrzehnte später dienen die Konstruktionsentwürfe für eine neuartige Dampfkraftmaschine, die den Markt für Minikraftwerke revolutionieren könnte. Sein Sohn Norbert, einst Entwicklungsingenieur beim Neubrandenburger Anlagenbauer Webasto, erinnerte sich an die Ideen von damals und tüftelte gemeinsam mit seinem Vater in der 2009 gegründeten Neubrandenburger Firma EN3 an einem neuartigen Energiewandler, der mit geringer Abwärme schon ab 70 Grad Strom erzeugen kann.

Mit Erfolg: Einst zeichneten die beiden am Küchentisch die ersten Entwürfe und füllten schließlich die Patentunterlagen für die Entwicklung aus. Auch den Prototyp bauten die Ingenieure in der heimischen Küche zusammen. In den kommenden zwei Jahren wollen sie nun den Energiewandler auf der Basis der damaligen Rotationskolbenmaschine für den Einsatz in Wärmekraftanlagen marktreif haben. "Unser Ziel ist, in Europa zum führenden Anbieter von Energiewandlern im unteren Leistungsbereich zu werden", sagte Firmengründer Norbert Günther.

Hilfe von Kapitalgebern ist ihnen sicher: Inzwischen interessieren sich private und öffentliche Geldgeber für die Produktidee aus Mecklenburg-Vorpommern. So ist jetzt der vom Land ausgestattete Technologiefonds MV gemeinsam mit einer Gruppe von Privatinvestoren mit knapp 800 000 Euro eingestiegen. Damit kann die Rotationskolbenmaschine bis zur Serienreife geführt werden", erklärte Günther.

Das Einsatzpotenzial ist groß: Ob in Wäschereien, Zementwerken oder Bäckereien, solarthermischen Anlagen, Biogasanlagen oder Blockheizkraftwerken - überall, wo Abwärme mit vergleichsweise niedrigen Temperaturen anfalle, könne die Wärme in Strom umgewandelt werden. Bei dem neuen Energiewandler wird eine niedrig siedende organische Flüssigkeit in einem geschlossenen System eingesetzt. In herkömmlichen Anlagen werden mit Wasser betriebene Turbinen eingesetzt, die allerdings in niedrigen Temperaturbereichen deutlich an Leistung verlieren und daher unwirtschaftlich werden. "Das Verfahren erhöhe die Energieeffizienz und damit die Wirtschaftlichkeit energetischer Prozesse", erklärte Uwe Bräuer, Chef des Technologiefonds. Das sich daraus ergebene Marktpotenzial und das durch Schutzrechte abgesicherte Knowhow seien ausschlaggebend für den Einstieg bei der derzeit vier Mitarbeiter zählenden EN3 gewesen. Die Verbesserung der Energieeffizienz sei ein wichtiger Faktor, um die Wettbewerbsfähigkeit und die Versorgungssicherheit herzustellen, sagte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU). Die Entwicklung innovativer Technologien im Bereich der Erneuerbaren Energie würden große Chancen bieten.

Die Interessenten stehen für die neue Technik schon Schlange: Bislang gebe es keine derartige Anlage, sagte Bräuer. So warteten Hersteller von Kraftwärmeanlagen händeringend auf den neuen Energiewandler. Interesse habe auch die Automobilindustrie angemeldet.

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