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Schwerin: Kunst- und Kulturliebhaber gibt es unter den Jüngsten : Vom Glück des Genusses

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Gebannt hängen die Kinder aus der Kita Rappelkiste an den Lippen von Flavia Wolfgramm, während sie ihnen im Staatlichen Museum Schwerin das Märchen vom gestiefelten Kater erzählt.

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erstellt am 14.Jan.2011 | 10:56 Uhr

"Wenn sie begeistert sind, ist das für mich das größte Glück", sagt die 19-Jährige. Seit September vergangenen Jahres absolviert sie ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege und führt auch drei- bis viermal pro Woche Besucher durch das Museum.

Neben Kindern gehören dazu vor allem Abiturklassen, Erwachsene und Hobbykünstler. Die sind meist etwas anspruchsvoller als die Kinder. Denn die sind auch schon glücklich, dem gestiefelten Kater auf einem Malbild neue Schuhe zu verpassen, eine Landschaft zu zeichnen und ihr Werk dann stolz zu präsentieren. Dennoch bekommen sie von Flavia Wolfgramm die gleiche Aufmerksamkeit wie die Erwachsenen.

Der gestiefelte Kater in Bildern

Geschickt bindet sie die Kinder in das Märchen ein, lässt sie Fragen zu bekannten Details und Personen aus der Geschichte beantworten. Durch die Gemälde im Museum, beispielsweise "Flusslandschaft mit Windmühle" von Jan van Goyen, wird das Märchen noch lebendiger. Tiger, Elefanten oder Löwen auf der Leinwand nutzt Flavia Wolfgramm dafür, den Kindern die Tiere vor Augen zu führen, in die der Zauberer sich verwandelt, während der gestiefelte Kater ihn austrickst. Als der Zauberer sich in eine Maus verwandelt, frisst der Kater ihn einfach auf. Seinen Grundbesitz übernimmt der bis dahin arme Müllerssohn, dem sein verstorbener Vater den schlauen Kater vermacht hatte. Happy End: Der Müllerssohn tritt nun als Graf auf und heiratet die Königstochter. Sein Glück ist damit perfekt und erfüllt auch die Kinder mit Genuss. "Es ist schön, ihre Freude zu spüren", sagt Wolfgramm. Sie will ihnen die Angst vor dem Museum nehmen.

Dabei war sie dort lange selbst kein Stammgast: "Ich war früher nicht so oft im Museum." Erst ihre Kunstlehrerin im Abiturjahrgang weckte das Feuer in ihr. Die Arbeit jetzt macht der 19-Jährigen enormen Spaß: "Ich bin sehr glücklich, die Beschäftigung ist sehr abwechslungsreich." Neben den Führungen ist sie auch darin eingebunden, anderen Menschen Ausstellungen mit Hilfe von Werbung und Plakaten näherzubringen. Außerdem ist sie Lektorin für einen neuen Museumsguide, an dem die Einrichtung derzeit arbeitet.

Ihre Führungen arbeitet Wolfgramm eigenständig aus. Nur das Thema ist vorgegeben, beispielsweise die Kunst des Barock oder die Sammlung flämischer Malerei, ein Schwerpunkt im Staatlichen Museum. Begeistern können sich die Besucher aber auch im Kupferstichkabinett, dem Münzkabinett oder dem Mailart-Archiv. Das Museum selbst bildet im Zusammenspiel mit Schloss, Theater, Kollegiengebäude und Altem Palais ein reizvolles Ensemble auf dem Alten Garten.

Schloss zieht Architekturkenner an

Architekturliebhaber geraten beim Anblick der historischen Gebäude in Verzückung. Das Schloss Schwerin beispielsweise ist mit seinen Prunk-, Wohn- und Gesellschaftsräumen der Bel- und Festetage das bedeutendste Gebäude des Historismus in Norddeutschland. Zudem beherbergt es eine Ausstellung europäischer Porzellane. In der wärmeren Jahreszeit werden Besucher vom Burg- und Schlossgarten angelockt.

Das Kulturangebot im Nordosten bietet aber noch viel mehr an kulturellem Genuss. Neben herausragenden Großprojekten wie dem Deutschen Meeresmuseum in Stralsund mit dem Ozeaneum oder dem Müritzeum gibt es auch kleinere Einrichtungen wie Stadt- und Heimatmuseen, das Salzmuseum in Bad Sülze oder das Motorradmuseum in Ducherow. Sie widmen sich den verschiedensten Themen.

Der Wert von Kunst und Kultur ist nur schwer zu messen und sehr subjektiv. Das erzählt Flavia Wolfgramm auch ihren Gästen, wenn ihr die eine Frage immer wieder gestellt wird - die nach dem Wert einzelner Kunstwerke.

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