Vom Fußball ins Landratsamt

Bei den zwölf Landrats- und Oberbürgermeisterwahlen sind Außenseiter dünn gesät. Auf Rügen tritt der Polizeichef gegen die Landrätin an, im Kreis Güstrow ist es der ehemalige Hansa-Vorstandschef Manfred Wimmer, der Landrat Lutz da Cunha (SPD) herausfordert. Wir haben ihn unter die Lupe genommen.

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07. März 2008, 09:06 Uhr

Güstrow - Manfred Wimmer (parteilos) geht für die CDU als Außenseiter in die heiße Phase des Wahlkampfes gegen die Mitbewerber da Cunha, Andreas Lange (Die Linke) und Klaus Biener (Grüne). Gestern eröffnete er sein Bürgerbüro in Güstrow. Außenseiter? „Ich habe ein gutes Gefühl und rechne mir schon Chancen aus, die Wahl zu gewinnen, sonst würde ich mich nicht dem Bürgervotum stellen“, sagt Wimmer.

Vier Wochen vor der Entscheidung ist bei ihm von Aufregung nichts zu spüren. „Es kribbelt aber schon“, gesteht der gebürtige Schönberger. In mecklenburgischer Ruhe erklärt er die Beweggründe seiner Kandidatur: „Im Sommer diagnostizierten Ärzte bei mir einen Nierentumor. Zum Glück wurde die Krankheit früh erkannt.“

Nach Operation und Reha suchte der 52-Jährige nach einer Herausforderung: „Ich wollte etwas Neues anpacken.“ So kam das Interesse der Christdemokraten an dem parteilosen Wimmer für ihn zum genau richtigen Zeitpunkt.
Die Nähe zur CDU begründet der Rostocker mit der „Wirtschaftskompetenz der Partei“. Schließlich habe auch er jahrelang ein mittelständisches Unternehmen – Wimmer war von 2001 bis 2006 Vorstandsvorsitzender des FC Hansa Rostock – geführt. Sport und Wirtschaft begleiten ihn auch nach der Hansa-Zeit. Die Fußballer von der Ostsee blieben seine Leidenschaft, in seinem Sportartikelhaus verkauft er die passende Ausrüstung. In der heißen Phase des Wahlkampfes arbeitet sein Unternehmen „auf Sparflamme. Ich habe fähige Leute, die das Geschäft in meiner Abwesenheit gut führen.“

Wie fähig hingegen der amtierende Landrat da Cunha ist, mag Wimmer nicht einschätzen: „Das möchte ich mir nicht anmaßen“, hält er sich mit Schelte zurück. Dass er als Polit-Neuling an die Spitze des Landkreises will, sieht Wimmer weniger kritisch: „Natürlich ist es etwas anderes, eine Verwaltung zu führen als ein Unternehmen. Ich muss aber nicht jeden Paragraphen kennen, denn dafür haben wir absolute Fachleute“. Die Experten müsse Wimmer dann führen.
Den Haushalt des Landkreises – in der Kasse klafft ein Loch von rund 20 Millionen Euro – werde auch er bis zur Gebietsreform nicht ausgleichen können. „Das ist utopisch.“ Anpacken will Wimmer die Aufgabe dennoch und das Image des Kreises aufpolieren: „Ich möchte Güstrow in einem neuen Landkreis möglichst gut positionieren.“ Wimmer will dem heimischen Mittelstand den Rücken stärken und Investoren anlocken.

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