Volles Programm auf die Ohren

Peter Berkner misst mit seinem Ggerät  am Wohnzimmerfenster nicht selten einen Geräuschpegel  von mehr als 80 Dezibel. Foto:Regina Mai
Peter Berkner misst mit seinem Ggerät am Wohnzimmerfenster nicht selten einen Geräuschpegel von mehr als 80 Dezibel. Foto:Regina Mai

Düsenjets über dem Schweriner Schloss, Übungsflieger über Kritzkow – das sind für Peter Berkner ernst zu nehmende Probleme, aber eher Peanuts. Er hat in seiner Wohnung in Laage täglich das volle Programm: Bundesstraße, Bahn und Flugverkehr.

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25. September 2008, 08:04 Uhr

Laage - „Wenn ich darüber nachdenke, wie viel Lärm die Menschen hier ertragen, wundert es mich, dass sich keiner aufregt“, will Peter Berkner (64) nicht länger ruhig bleiben. Er hat sich ein Messgerät angeschafft, damit er belegen kann, wovon er redet. „Wenn ein Düsenjet vorbeikommt, sind das immer mehr als 80 Dezibel“, stöhnt er. Und binnen einer halben Stunde kann das drei-, viermal der Fall sein.

Auch die Übungsflüge der Lufthansa, jüngst von Kritzkower Bürgern stark kritisiert nerven den Laager. Aber viel lauter sei die Awacs, wenn sie ihre Runden dreht, meint Berkner. Abends kommen die Güterzüge hinzu. „Die Bahn hat zwar komplett neue Gleise verlegt. Aber leiser ist es nicht geworden“, wundert sich Berkner und vermutet, dass es daran liegt, dass die Züge jetzt schneller fahren können.

Der Verkehr auf der Bundesstraße, die die Stadt im Bogen umgeht, liefert dem Laager eine permanente Geräuschkulisse. Peter Berkner würde sich wünschen, dass einmal alle, die Lärm verursachen, mit den Bürgern der Stadt an einem Tisch sitzen und überlegen, wie man zu mehr Rücksichtnahme kommt und die Menschen vor Lärm besser schützen könnte.

Dazu hat Laage seit zehn Jahren einen Lärmminderungsplan. Der sieht übrigens den Bereich der Rudolf-Harbig-Straße, wo Peter Berkner wohnt, gar nicht im Mittelpunkt des Lärms in der Stadt. Tagsüber liege der Lärmpegel von Bahn und Straße (nur diese beiden Lärmquellen sind im Plan berücksichtigt) mit 55 bis 60 dB an der Grenze des Zulässigen, nachts mit 45 bis 50 dB sogar ein wenig darunter. Aber der Plan weist auf Ausnahmen hin: 65 bis 70 dB am Tag und 60 bis 65 dB in der Nacht. Im Lärmminderungsplan werden Schutzmaßnahmen empfohlen: Schallwände, Schallschutzfenster, Belagwechsel bei Straßen usw. Realisiert wurde davon in den letzten zehn Jahren nichts.

„Wir können dabei nicht helfen“, sagt Uwe Heinze auf SVZ-Nachfrage. Laages Bürgermeister verweist auf die Zuständigkeiten der Bundeswehr, der Bahn und des Bundes. Den Sinn des Lärmschutzplanes sieht Heinze in erster Linie darin, bei künftigen Planungen die Lärm-Konfliktpunkte in der Stadt zu meiden. Das habe man getan. Die Stadt, so Heinze, könne Lärmschutz nicht finanzieren. „Wir können gegenüber den anderen fordern, aber unsere Wünsche nicht durchsetzen“, stellt er weiter fest.

Die Deutsche Bahn AG bestätigt 30 bis 40 Güterzüge, die täglich Laage passieren. Die Strecke, so Gisbert Gahler, sei eine wichtige Verkehrsader für den Transport von Waren aus dem Rostocker Seehafen bis Berlin und darüber hinaus. „Der Güterverkehr ist im Wachsen begriffen“, fügt der Bahn-Sprecher hinzu.

Auch Hermann Levke kann Peter Berkner nicht viel Hoffnung machen, verweist aber auf das neue Fluglärmgesetz. Grenzwerte und Berechnungsverfahren würden sich ändern, so der Dezernatsleiter beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie. Man warte derzeit auf eine Rechtsverordnung zum Gesetz, um dann die bisherigen Lärmschutzzonen zu überprüfen und neu festzulegen. Levke rechnet damit, dass zumindest ein Teil der Recknitzstadt nach den neuen Berechnungen in die Schallschutzzone fallen kann.

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