Wer trägt Verantwortung für das Millionendefizit? : Volkstheater vor dem finanziellen Aus

Bis zu 1,2 Millionen Euro soll das Defizit des Rostocker Volkstheaters betragen.Georg Scharnweber
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Bis zu 1,2 Millionen Euro soll das Defizit des Rostocker Volkstheaters betragen.Georg Scharnweber

Ein halbes Jahr nach der Umwandlung in eine städtische GmbH sieht sich das Volkstheater Rostock (VTR) mit einem finanziellen Desaster konfrontiert. Das Defizit des Schauspielhauses soll bis zu 1,2 Millionen hoch sein.

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03. November 2010, 09:11 Uhr

Rostock | Bei seiner Sitzung am Dienstag hat der Aufsichtsrat des Theaters deshalb die Notbremse gezogen. Das Gremium sprach sich für eine Abberufung des Geschäftsführers Kay-Uwe Nissen aus. "Es wäre schön gewesen, wenn er den Wirtschafsplan schon früher vorgelegt hätte", sagt Kultursenatorin und Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Liane Melzer (SPD), die Kritik am Geschäftsführer als Grund für die Empfehlung des Gremiums nennt. Die Bürgerschaft fordert Aufklärung, bevor ihr Hauptausschuss am Dienstag endgültig über Nissens Abberufung entscheidet.

"Wir wollen wissen, warum das Controlling nicht funktioniert hat", sagt Rainer Albrecht, Fraktionsvorsitzender der SPD. Sein Eindruck: Die Bürgerschaft wurde nur schlecht über den wahren Sachstand informiert. Von Mehrkosten in Höhe von 750 000 Euro sei bereits seit einiger Zeit die Rede. "Doch dass jetzt 1,2 Millionen Euro fehlen sollen, ist erschreckend", sagt Albrecht. Er habe sich von den handelnden Personen in der GmbH mehr erhofft. "Ich bin tief enttäuscht."

Personalkosten sind höher als erwartet

Auch der Fraktionschef der Grünen, Johann-Georg Jaeger, zeigte sich schockiert von der Höhe der Summe, nahm den Geschäftsführer des Theaters aber in Schutz. Dass der Finanzbedarf wesentlich höher sei als erwartet, habe nichts mit Nissen zu tun. Die Personalkosten etwa seien in die Höhe geschnellt. "Nissens Aufgabe wäre es jedoch gewesen, das früher im politischen Raum zu kommunizieren", so Jaeger. Ob die GmbH-Gründung ein Fehler war, will er jetzt noch nicht beurteilen. Die Privatisierung habe auch Vorteile wie ein festes Budget mit sich gebracht. Dr. Ulrich Seidel, Fraktionsvorsitzender der FDP, ist indes der Ansicht, die Umwandlung in eine GmbH sei der richtige Weg gewesen. "Allerdings hätte damals eine Eröffnungsbilanz vorgelegt werden müssen", sagt er. Und auch ein Haushalt sei noch nicht aufgestellt worden. "Das hätte gemacht werden müssen." Auch Seidel fordert nun eine exakte Prüfung. Erst wenn diese erfolgt sei, könne die Bürgerschaft die Empfehlung für Nissens Abberufung bewerten.

Dr. Sybille Bachmann, Fraktionschefin des Rostocker Bundes, hingegen sagt schon jetzt: "Angesichts der Finanzlage ist die Empfehlung absolut nachvollziehbar." Darüber hinaus müsse jedoch zwingend die Rolle des städtischen Beteiligungscontrollings geprüft werden. Was die Zukunft des Volkstheaters angehe, bleibe der Bürgerschaft wohl nichts anderes übrig, als das Defizit auszugleichen. Denn: "Eine Insolvenz verbietet sich bei einem kommunalen Unternehmen", sagt Bachmann. Zumal Rostock Kulturstadt werden wolle. Auch nach Meinung des CDU-Fraktionschefs Prof. Dieter Neßelmann steht eine Schließung des Theaters nicht zur Debatte. Doch bevor über die Zukunft geredet werden könne, müsse erst einmal analysiert werden, wo genau es Schwachstellen gibt. Die finanzielle Ausstattung des Theaters sei schon immer ein Problem gewesen. Möglicherweise habe Nissen nicht konsequent genug durchgegriffen.

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