zur Navigation springen

Hohe Rückfallraten und lange Wartezeiten bei Psychotherapien : Volkskrankheit Depression

vom

Depressionen, Stress, Burnout-Syndrom - immer mehr Menschen werden mit psychischen Erkrankungen im Krankenhaus behandelt. Der Trend setzt sich fort...

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2011 | 12:01 Uhr

Depressionen, Stress, Burnout-Syndrom - immer mehr Menschen werden mit psychischen Erkrankungen im Krankenhaus behandelt. Psychische Störungen haben Herz-Kreislauferkrankungen als häufigsten Behandlungsanlass schon im Jahr 2006 abgelöst, der Trend setzt sich fort: Depressionen und andere Störungen werden immer häufiger diagnostiziert, Herz-Kreislauferkrankungen seltener. Diese Ergebnisse lieferte der Krankenhausreport 2011, den die Barmer GEK gestern in Berlin vorstellte.

Rasant verlief der Anstieg besonders bei Depressionen. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der stationär Behandelten mehr als verdoppelt (plus 117 Prozent). Viele Einzelfälle bedeuten hohe Kosten für die Krankenkassen. Doch der Behandlungserfolg ist offenbar vergleichsweise gering. 30 Prozent der Patienten wurden binnen zwei Jahren wegen der gleichen Störung erneut eingewiesen, 39 Prozent mit einer anderen psychischen Störung. Angesichts geringer Erfolgszahlen sei es fraglich, "ob jeder Fall ins Krankenhaus gehört", erklärte der stellvertretende Chef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker.

Erstgespräch erst nach Monaten

Der Kassen-Vizechef warnte: Psychische Störungen seien die neue, oft noch versteckte Volkskrankheit. Die Zahl der Fälle hat sich seit 1990 stark erhöht. Waren es damals noch 3,7 von 1000 Versicherten, die im Krankenhaus behandelt wurden, so waren es 2010 bereits 8,5 von 1000. Die stationäre Versorgung dieser Fälle kostete die Kassen im vergangenen Jahr 5,5 Milliarden Euro.

Dass die Kosten nicht noch höher ausfallen, liegt an der sinkenden Aufenthaltsdauer: statt 44,8 Tage wie noch im Jahr 1990, wurden psychische Störungen im Jahr 2010 nur noch 31 Tage lang stationär behandelt. Ein Großteil der aus dem Krankenhaus Entlassenen erhält die Empfehlung, sich einer Psychotherapie zu unterziehen. Doch das ist leichter gesagt als getan: Es vergehen durchschnittlich drei Monate, bis ein Erstgespräch mit einem Therapeuten geführt werden kann, weitere drei Monate bis die eigentliche Therapie beginnt.

Aus Sicht von Barmer GEK-Vize Schlenker kann die Lösung nicht in einer Aufstockung der Therapeutenzahl liegen. "Wir können nicht einfach Kapazitäten erhöhen, sondern müssen sie besser verteilen", forderte er. So könnte ein Ausweg in kürzeren Therapien liegen: 45 Stunden statt 80 Stunden seien oftmals ebenso hilfreich. Eine Alternative sei es, vermehrt Gruppentherapien einzusetzen. Mit diesen erziele man "teils größere Erfolge ". Die Krankenkasse verhandele derzeit mit dem Bund der Psychotherapeuten über entsprechende Veränderungen. Eine bessere Verzahnung von stationärer und anschließender ambulanter Behandlung könnte voraussichtlich zumindest die Quote der Wiedereinweisungen senken.

Rate kaum verändert

Das Risiko, wegen der gleichen psychischen Störung wieder eingewiesen zu werden, liegt kurz nach der Entlassung besonders hoch. Ein Drittel der Wiedereinweisungen erfolgt in den ersten 30 Tagen danach Die kürzeren Krankenhausaufenthalte selbst scheinen kein Grund für die hohe Zahl der Wiedererkrankungen zu sein. Die Rate hat sich seit dem Jahr 2000 nicht signifikant verändert, obwohl damals die Krankenhausaufenthalte länger dauerten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen