Vision Einkaufsstadt

Rostock will Einkaufsstadt Nummer eins im Norden werden. Ein Einzelhandelsgutachten sagt wie: Die Verkaufsfläche in der City müsste verdoppelt werden. Hochtrabende Pläne, die allein schon an fehlenden Bauplätzen scheitern könnten. Die ersten Projekte laufen allerdings schon.

von
17. Juli 2008, 08:12 Uhr

Rostock - Es ist etwas schief gelaufen in den vergangenen Jahren. Während Einkaufscenter und Baumärkte auf den Grünen Wiese rund um Rostock und Supermärkte und Discounter in den Stadtteilen wie Pilze aus den Boden geschossen sind, hat der Einzelhandel in der City nicht Schritt gehalten. Ein Problem, das auch ein neues Einzelhandelsgutachten thematisiert. Demnach seien Bedarf und auch Kaufkraft da, um aus Rostock eine florierende Einkaufsstadt zu machen.

Die Gutachter gehen allerdings davon aus, dass dazu mittelfristig die Einzelhandelsfläche im so genannten City-Kernbereich – rund um den Boulevard Kröpeliner Straße – von derzeit etwa 62 000 Quadratmeter auf 100 000 bis 120 000 wachsen müsste. Eine Größe, die durchaus realistisch sei, meint Heinz Kopp vom Einzelhandelsverband Nord-Ost. Vergleichsstädte wie Lübeck oder Kiel hätten noch Vorteile auf ihrer Seite. „Vor allem Lübeck rüstet enorm auf. Da müssen wir Schritt halten.“

70 bis 80 neue Geschäfte im Glatten Aal
Der gute Wille ist da. Was fehlt, sind Investoren und Bauplätze. Sorgen macht sich Peter Volkmann von der Industrie- und Handelskammer zu Rostock. „Wenn wir Kaufkraftabflüsse nach Hamburg oder Berlin reduzieren wollen, müssen wir natürlich ein entsprechendes Angebot machen.“ Und neue Angebote brauchen Platz. Daran fehlt es derzeit noch in der City. Am Glatten Aal sind zwar aktuell 70 bis 80 Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von 9000 Quadratmetern geplant. Darüber hinaus fehlt es in der Innenstadt an großen zusammenhängenden Flächen. Die Expertise rechnet noch mit 2500 Quadratmetern im Quartier Telekom, nördlich der Wallstraße. Auch die viel diskutierte Nordkante am Neuen Markt muss nach Ansicht der Gutachter entwickelt werden. Einzelhandel könnte sich hier auf mindestens 4000 Quadratmetern ansiedeln. Konkrete Pläne gibt es noch nicht.

Doch es hakt in Rostock nicht nur bei der Quantität. Laut Expertise fehlt es an „Einzelhndelsfrequenzgebern“. Im Klartext: Weitere Attraktionen wie Ikea, deren Kunden auch einen Abstecher in der Stadt machen, oder Modelabels, die ein neues Klientel anlocken. Es sei zwar schon viel passiert, „aber da haben wir echte Defizite“, weiß Peter Magdanz vom Citykreis Rostock, einer Vereinigung von mehr als 100 Unternehmern der Innenstadt.

Schieflage auf dem Boulevard
Nachfrage gibt es für Geschäfte, die Textilien, Sportartikel, Schuhe und Lifestyleartikel anbieten. Mit dem Kröpeliner-Tor-Center wurde im vergangenen Jahr ein erster Schritt getan, gleichzeitig ist ein neues Problem aufgetaucht, das die Einzelhändler auf jeder Sitzung des Citykreises beschäftigt: das West-Ost-Gefälle auf dem Boulevard. Denn viele Passanten und Kunden strömen vom Universitätsplatz zum KTC, während der Boulevard in Richtung Rathaus verwaist. Aber auch hier hoffen Händler auf Impulse durch Glatter Aal und Neuer Markt. Doch alle Visionen über die Einkaufsstadt Rostock stehen und fallen mit der Kaufkraft.Und da sieht die Statistik gut aus: In Rostock ist das verfügbare Einkommen in den vergangenen zehn Jahren um 2000 Euro auf jetzt 14 500 gestiegen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen