Vierter Stern verglüht, Löws Zukunft in den Sternen

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08. Juli 2010, 09:32 Uhr

Durban/Pretoria | Der vierte WM-Stern verglüht, die Zukunft von Joachim Löw in den Sternen: Nach der ernüchternden Halbfinalpleite gegen Spanien stellte der Bundestrainer der deutschen Nationalelf zwar ein günstiges Horoskop, wie seine eigenen Sterne stehen, ließ er aber weiter offen.

"Die Mannschaft ist noch in der Entwicklung, die gerade erst angefangen hat und noch lange nicht zu Ende ist. Sie wird noch viel Erfolg haben. Der überwiegende Teil dieser Mannschaft bildet auch die Nationalmannschaft der Zukunft, egal unter welchem Bundestrainer", sagte Löw nach dem 0:1 (0:0) gegen den Europameister und heizte damit die Spekulationen um die künftige sportliche Führung der DFB-Auswahl weiter an.

Derweil plädierten die Spieler für ihren Chef. "Der Trainer hat in entscheidenden Situationen gezeigt, was er imstande ist zu leisten mit so einer jungen Mannschaft", sagte Routinier Miroslav Klose und Arne Friedrich gab trotz Frust und Trübsal die Meinung der Mannschaft wieder: "Der Bundestrainer muss bleiben."

Während Löw bemüht war, trotz der riesigen Enttäuschung nach der Lehrstunde gegen die Iberer den Fokus schnell auf das Spiel um die goldene Ananas gegen Uruguay zu lenken, bastelten die DFB-Sterndeuter hinter den Kulissen fieberhaft daran, Löw eine weitere Amtszeit bis zur EM 2012 schmackhaft zu machen. Aber auch DFB-Präsident Theo Zwanziger, der am Sonntag im deutschen WM-Quartier Velmore Grande ein WM-Fazit verkünden will, kann Löw und seinen Stab nicht zu einer zügigen Vertrags-Unterschrift bewegen: "Ich gehe davon aus, dass es noch ein paar Tage dauert."

DFB-Präsidiumsmitglied Franz Beckenbauer betätigte sich unterdessen als Hobby-Astrologe und äußerte die feste Überzeugung, dass Löw trotz der Querelen im Zusammenhang mit den ersten Vertragsgesprächen im Frühjahr bleibt: "Was zusammengehört, soll auch zusammenbleiben. Er hat noch eine Mission zu erfüllen. In vier Jahren ein neuer Anlauf - das ist Motivation genug. Ich bin überzeugt, dass er seinen Vertrag beim DFB verlängern wird. Bundestrainer ist ein Traumjob."

Frustbewältigung bei Bier und Schnitzel

Bei der Mannschaft, die in der 73. Minute durch Carles Puyol den K.o.-Schlag erhalten hatte, stand bei Bier und Schnitzel zunächst mal in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag Frustbewältigung auf dem Programm. Nach einer kurzen Analyse verschwanden die Spieler aber schnell auf ihren Zimmern. Zu tief saß der Stachel der Enttäuschung, nachdem der Traum vom vierten WM-Titel wie eine Seifenblase geplatzt war und die Mannschaft wie schon 2006 und 2008 mit leeren Händen am Sonntagabend die Heimreise antritt. Ein Empfang am Brandenburger Tor, wie nach der WM 2006 als Dritter und der Euro 2008 als Vizeeuropameister wurde vom Mannschaftsrat abgelehnt. "Ich habe keine Lust mich feiern zu lassen, ohne etwas in den Händen zu haben", meinte Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger, der seiner Anführerrolle gegen Spanien ebensowenig gerecht wurde wie Kapitän Philipp Lahm.

Über die gesamte Spielzeit verhielt sich die DFB-Auswahl wie das Kaninchen vor der Schlange, nicht einmal eine Gelbe Karte als Symbol der Gegenwehr kassierte der Vize-Europameister. "Uns wurden die Grenzen aufgezeigt", gab Löw unumwunden zu, seine Mannschaft sei aber nicht demoralisiert.

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