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Die kleinste deutsche Kneipe : Viereinhalb Quadratmeter Gemütlichkeit

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So manche Besenkammer dürfte größer sein. Doch dort gibt es kein Bier. In der wohl kleinsten Kneipe Deutschlands sprudelt der Gerstensaft für maximal acht Gäste, sonst wird wegen Überfüllung geschlossen.

Varel | So manche Besenkammer dürfte größer sein. Doch dort gibt es kein Bier. In der wohl kleinsten Kneipe Deutschlands sprudelt der Gerstensaft für maximal acht Gäste, sonst wird wegen Überfüllung geschlossen. Viereinhalb Quadratmeter misst der Gastraum "Up’m Prüfstand" am Hafen in Varel im Landkreis Friesland. Wer hier in Ruhe ein gepflegtes Bier genießen will, muss stehen. "Wenn ich zwei oder drei Hocker reinstellen würde, wäre es zu eng", sagt Wirtin Uschi Reents.

Bis auf Tische und Stühle hat die kleine Kneipe alles, was eine Kneipe braucht. Es gibt einen Tresen samt Zapfanlage, ein Regal für die Gläser und ein Spülbecken. Eine Mini-Stereoanlage sorgt bei Bedarf für Musik und es darf sogar geraucht werden.

Darüber hinaus hat das rote Backsteinhäuschen eine eigene Hausnummer. Ein Umstand, der der Wirtin bei der Eröffnung vor 20 Jahren Post vom Finanzamt bescherte. "Ich sollte diverse Unterlagen ausfüllen, weil ich meinen Betrieb erweitert hätte", erinnert sich Reents, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Fischrestaurant gepachtet hat. Als sie bei der Behörde angerufen und erklärt hatte, dass lediglich viereinhalb Quadratmeter hinzugekommen sind, hatte der Beamte gelacht, die Sache war erledigt.

Rekord: 14 Gäste zugleich

In der Regel zapft die 57-Jährige das Bier im Restaurant und trägt die Gläser über die Straße. Nur bei größeren Gruppen ab 20 Personen sticht sie in der kleinen Kneipe ein Fass an. Die Gäste müssen sich den Raum dann umschichtig teilen und auf den gepflasterten Vorplatz ausweichen. Denn der Rekord liegt nach Reents’ Angaben bei 14 Frauen - Damen des örtlichen Handballvereins - die gleichzeitig den "Prüfstand" besucht haben.

Im Winter, wenn nicht mehr so viele Wassersportler und Touristen den Vareler Hafen besuchen, öffnet Reents die Gastwirtschaft nur bei Bedarf. Dabei kann es passieren, dass sie den verdutzten Gästen den Schlüssel in die Hand drückt, damit sie sich selbst aufschließen.

"Im Sommer lasse ich die Tür auf", erklärt die 57-Jährige. "Viele Leute haben von unserer kleinen Kneipe gehört und schauen gerne mal rein oder machen ein Foto." Oder sie trinken hier den "Bullenschluck", einen 43-prozentigen Kräuterschnaps, der nach Worten von Uschi Reents einfach zu der kleinen Kneipe dazugehört.

"Hier kommt man sich nicht nur geistig, sondern auch menschlich näher, einfach weil es so eng ist", sagt Harm Wilken und nimmt seinen Stammplatz am Tresen ein. Der 66-Jährige schätzt die "gemütliche Atmosphäre".

Wilken hat, wie der übrige harte Kern von etwa acht Stammgästen auch, damals bei dem Umbau des Häuschens zur Kneipe mitgeholfen. "Früher war das eine Waage für Fischmehl und Garnelen", erzählt der 66-Jährige, "dann ein Bremsenprüfstand für Lkw." 1990 verschenkte der damalige Besitzer den kleinen Backsteinbau bei einer Skatrunde an den Ehemann von Uschi Reents.

Nie um Guinness-Buch gekümmert

"Wir wussten erst gar nicht, was wir damit machen sollten", erinnert sich die Wirtin. "Von dem Häuschen standen eigentlich nur noch die Mauern und ein schäbiges Dach." Doch die Skatspieler hatten eine Idee: Warum sollte es nicht eine kleine Kneipe werden? In Eigenleistung und mithilfe von Sponsoren wurde der künftige Gastraum hell vertäfelt, Wasser und Strom wurden verlegt, das Dach neu gedeckt.

Ob ihre kleine Kneipe tatsächlich die kleinste Deutschlands oder sogar der Welt ist, weiß Reents nicht. "Ich habe mich nie um einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde gekümmert."

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erstellt am 19.Dez.2011 | 10:03 Uhr

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