Lübstorfer Schornstein-Streit : Viel Ruß um nichts

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Schornsteinfeger stehen in dem Ruf, Glück zu bringen. Einem Ehepaar in Lübstorf hingegen hat ihr Bezirksschornsteinfeger nichts als Ärger gebracht. Obendrein drohte er mit einer Geldstrafe von 125 000 Euro.

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17. Dezember 2010, 01:12 Uhr

„Aus rechtlichen Gründen sperre ich den von Ihnen errichteten Schornstein und den angeschlossenen Kaminofen“, heißt es in einem Schreiben des Schornsteinfegermeisters Ende April 2006. Obendrein drohte er mit einer Geldstrafe in Höhe von 125 000 Euro. Er forderte Nachbesserungen. Doch selbst als Hausbesitzer Christine und Peter Voigt die Krümmung des Rohres von 45 auf 30 Grad veränderten und das Rohr auf eine Bodenhöhe von 1,40 Metern absenkten, weigerte sich der Schornsteinfeger, den Schornstein abzunehmen. Auch wies er es zurück, ihn zu reinigen.
Viereinhalb Jahre, drei Kilo Papier und drei Dokumentenordner später, kam Anfang dieser Woche eine Gesandtschaft des Wirtschaftsministeriums zu einem Ortstermin im Lübstorfer Feldweg vorbei. Das Ministerium hatte den technischen Landesinnungswart Uwe Gerath bestellt, um seine fachkundige Meinung zu den baulichen Gegebenheiten des Schornsteins zu erfahren. Das Urteil des Experten: Der Schornstein ist in Ordnung, zu beanstanden gibt es an dem Metallrohr nichts. Nach Meinung des Fachmanns ist der Streit eine Farce, selbst die bereits umgesetzten Änderungsforderungen seines Kollegen hält er für kleinkariert. „Ich sehe hier kein Problem“, so Gerath.
Landesinnungswart erklärt Kaminrohr für einwandfrei
Der Landesinnungswart kehrte den acht Meter langen Schornstein mit einer Haspel, dann überprüfte er mit Hilfe einer Kamera das Ergebnis der Säuberung, die er für einwandfrei befand. Grund genug für Josef Walber vom Wirtschaftsministerium, den Bezirksschornsteinfeger anzuweisen, das Haus in den Kehrrhythmus aufzunehmen. Walber leitet das Referat 420, das auch für das Handwerk im Allgemeinen und die Schornsteinfeger im Speziellen zuständig ist. Er hofft, das Thema mit dem Ortstermin endgültig abschließen zu können. „Es gibt nun keinen Grund mehr, das Kehren weiterhin zu verweigern“, so Walber. Er betrachte den Ortstermin als letzte friedensstiftende Maßnahme.
Doch mit Frieden rechnen die genervten Hausbesitzer schon lange nicht mehr. „Wir glauben nicht, dass der Bezirksschornsteinfeger sein Verhalten ändern wird“, sagte Peter Voigt. Dafür spricht auch, dass der Bezirksschornsteinfeger die Einladung zu der Ortsbegehung nicht annahm. „Kommt er seiner Aufgabe weiterhin nicht nach, dann ist das Arbeitsverweigerung“, so Walber. Das Ministerium könne in diesem Fall Konsequenzen ziehen und das Haus aus dem Kehrbezirk herauslösen. Dafür müsse allerdings der gesamte Kehrbezirk verändert werden.
Mittlerweile sei der Bezirksschornsteinfeger bereits wegen eines anderen Vorfalles in seinem Kehrbezirk rechtskräftig verurteilt worden, hieß es vom Wirtschaftsministerium. „Hier in der Nachbarschaft haben fast alle Probleme mit ihm“, sagte Voigt, sprach von „schikanieren und boykottieren“. Insgesamt komme ihm das Verhalten des Mannes „krank“ vor. „Meine Frau und ich sind 70 Jahre alt, wir wollen nichts anderes als unsere Ruhe“, so der Rentner. Ob Ruhe im Lübstorfer Kehrbezirk einkehren wird, dass muss die Zukunft zeigen. Ehepaar Voigt jedoch sieht für den Frieden schwarz. Rußschwarz.

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