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Güstrow: Travestiekünstler Frank Cochlovius : Verwandlung nach Arbeit am Schminktisch

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Claudia Schiffer ungeschminkt zu sehen ist kein Erlebnis - bei Frank Cochlovius ist das anders. Viele Güstrower haben ihn als "Josephine" bei Veranstaltungen im "Heizhaus" oder beim Neujahrsempfang erlebt.

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erstellt am 02.Mär.2011 | 10:37 Uhr

Claudia Schiffer ungeschminkt zu sehen ist kein berauschendes Erlebnis - bei Frank Cochlovius ist das ganz anders. Viele Güstrower haben ihn bereits als "Josephine" bei Veranstaltungen im "Heizhaus" oder beim Neujahrsempfang erlebt. Frank Cochlovius beherrscht die Kunst der Travestie. Er ist also kein Transvestit, der schlüpft nämlich auch im Alltagsleben in die Kleider des anderen Geschlechts, sondern ein Travestiekünstler.

Nach einer Stunde harter Arbeit am Schminktisch hat er sich in Josephine verwandelt. Sie trägt glamouröse Kleider, bewegt sich elegant auf Schuhen mit Schwindel erregend hohen Absätzen, und wenn sie sehr berührend mit dunklem Timbre Lieder von Zarah Leander singt, bewegt sie ihre Hände noch graziler als die Sängerin aus Schweden es tat. Geboren wurde Josephine zufällig und zwar genau 22 Jahre nach der Geburt von Frank Cochlovius in Kleinmachnow. 1984 war er bei einem Faschingsball in Potsdam. Höhepunkt sollte eine Travestieshow sein, die aus zwei singenden Männern bestand, die Kittelschürzen und zottelige Perücken trugen. "Das kann ich besser", verkündete Cochlovius dem Elfer-Rat und hielt Wort. Ein Jahr später gab es das Duo "Marlene und Josephine" und den ersten Bühnenauftritt. Später bewarb er sich um den Berufsausweis als Travestiekünstler. Frank Cochlovius erhielt ihn und es folgten viele Auftritte in großen Kulturhäusern, im Palast der Republik. Auch Film- und Fernsehregisseure erkannten sein Talent.

Nach der Wende bekam er eine Anstellung am berühmten Travestie-Cabaret "Chez Nous" in Berlin. Frank Cochlovius erinnert sich noch an einen Auftritt im Jahr 1998 im Güstrower Theater. Das Publikum war völlig aus dem Häuschen. "Welch eine Begeisterung und 15 Vorhänge", erzählt er.

Seit 2009 ist er freischaffend tätig und mehr in Güstrow als in seinem Elternhaus in Stahnsdorf. Gemeinsam mit seinem Partner, den er vor 14 Jahren an einem Valentinstag kennen lernte - und der übrigens ein waschechter Güstrower ist - will er Kleinkunst-Veranstaltungen im "Heizhaus" etablieren. In wechselnden Abständen sollen verschiedene Künstler hier auftreten. Josephine wird man hier auch zukünftig als Sängerin und Moderatorin erleben. Nicht nur angedacht, sondern bereits ausverkauft ist die Veranstaltung am 8. März. Für die zusätzlich aufgenommene Veranstaltung am Vortag gibt es nur noch Restkarten.

Die Güstrower, die immer noch unter den Tanz-Entzugserscheinungen leiden, die ihnen der Wegfall der Borwin-Bar einbrachte, freuen sich auf die Abende, in denen es nicht nur Showeinlagen geben wird, sondern auch die Möglichkeit, nach guter Musik zu tanzen. Für Frank Cochlovius ist das "Heizhaus" ein idealer Ort für Kleinkunst. Josephine kann hier dem Publikum nah sein. Diese Frau ist schön und wortgewandt und hat einen faszinierenden Charme, was nicht verwunderlich ist, denn es steckt ja auch ein kluger und sympathischer Mann dahinter.

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