Verlierer-Kreise in MV

von
17. Dezember 2008, 12:56 Uhr

München/Schwerin - Auch 18 Jahre nach der Wiedervereinigung hinkt der Osten den alten Bundesländern hinterher. Während das Starnberger 5-Seen-Land in einem Kreisvergleich von Focus Money auf der Basis verschiedener Wirtschafts-Rankings ganz vorne und zwei weitere bayerische Regionen unter den zehn wirtschaftsstärksten Kommunen platzieren, rangieren drei mecklenburgsiche Kreise unter den zehn Verlierern. Mecklenburg-Strelitz hat die wenigsten Punkte im Vergleich der Arbeitsplätze, Verdienste, des Bruttoinlandsprodukts, der Investitionen und des Wirtschaftswachstums der 415 Kreise.

Zwar entwickelt sich die Wirtschaft im Osten deutlich dynamischer. In Brandenburg, Thüringen und Sachsen etwa verdoppelte sich das Bruttoinlandsprodukt seit 1992, während es im Westen nur um 30 bis 48 Prozent zulegte. Die durchschnittliche Platzierung der Kreise ist jedoch in allen neuen Bundesländern schlechter als in den alten.

„Ein Grund für den Rückstand ist die Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte“, so Joachim Zweynert vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Institut. Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge verloren die neue Länder in den letzten sechs Jahren 100 000 Arbeitskräfte, darunter 9000 mit Hochschulabschluss. „Das führt zu sinkender Produktivität und sinkenden sogenannten Netzwerkeffekten“, erklärt Zweynert. Übersetzt: Sind Fachkräfte knapp, gibt es auch weniger Jobs für Geringqualifizierte.
Resultat: In vielen ostdeutschen Regionen verdienen die Einwohner mal gerade die Hälfte des Einkommens der Bürger in den starken Kreisen. Uecker-Randow ist mit 13076 Euro im Jahr Einkommensverlierer vor Weimar, Ostvorpommern und Demmin. Allein in diesem Vergleich stehen vier Kreise aus MV ganz unten in der Rangliste. In Starnbarg stehen für jeden Bürger 27952 Euro zur Verfügung. Bei der Arbeitslosenquote wurden im bayerischen Eichstätt 2,1 Prozent Arbeitslose gezählt. In MV sind es in Demmin exakt 20 Prozent mehr. Auch Uecker-Randow und Ostvorpommern sind unter den letzten Zehn.

Chancenlos sei der Osten aber nicht, meint Wirtschaftsforscher Zweynert. Ein Hoffnungsbereich: Tourismus. „Der Ölpreis wird wieder steigen und langfristig Flugreisen zum Luxusgut machen“, ist Zweynert überzeugt. Urlaub im Inland werde dann wieder populär. „Vor allem Mecklenburg-Vorpommern hat hier ein tolles Potenzial.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen