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21. November 2017 | 18:34 Uhr

Verliebt in die gelbe "Rennpappe"

vom

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2010 | 07:10 Uhr

Bützow | Für Lothar Kösling war es Liebe auf den ersten Blick: Als er 2006 bei einem Urlaubsausflug auf dem Darß das gelbe Trabi-Cabrio sah, war er hin und weg. Dass viele andere Fahrzeugfahrer "die Pappe" nur als Relikt einer vergangenen Zeit betrachten, stört ihn wenig. "Ich bin damals sofort zum Besitzer hin und wollte ihm den Wagen abkaufen", erzählt der Bützower. Doch ganz so schnell wollte der den gelben Oldtimer nicht hergeben. Erst im Mai 2008 holte Kösling das "Cabrio" aus der Lutherstadt Wittenberg im Harz nach Bützow.

Die Leidenschaft für den Wagen kommt nicht von ungefähr. Seit 1976 fuhr Lothar Kösling Trabi. "Der erste war beige und der nächste himmelblau", erinnert sich der 66-Jährige. "Der Trabi ist ein zuverlässiges Auto. Auf den Fahrten, auch auf den längeren zum Urlaub in Thüringen, hat es nie Probleme gegeben", erinnert er sich. Damals wie heute gefällt ihm einfach das einmalige Fahrgefühl. "Man merkt bei dem Wagen jede Unebenheit. Er ist schon ein wenig unruhig auf der Straße", schildert Kösling. Aber das stört den "Trabi-Narr" nicht. Wenn er auf schlecht ausgebauten Wegen unterwegs ist, fahre er entsprechend langsam. "Ich möchte den Wagen, die alte Technik und die Umwelt gleichermaßen genießen", schildert der Naturfreund.

Doch nicht nur der Pensionär ist von der gelben "Pappe" angetan. "Als das Auto da war, haben sich meine beiden Töchter gleich hinter das Lenkrad gesetzt und wollten wissen, wie es damals war", erzählt er und muss mit einem Schmunzeln an ihre Worte zurückdenken:"Das ist ein geiles Teil." Sogar seine beiden Enkeltöchter haben schon in dem Wagen gesessen und das Armaturenbrett erkundet.

Viel musste der Bützower an dem 26-PS-starken Gefährt noch nicht reparieren. Nur kleinere Schönheitsreparaturen hat er an dem gelben Cabrio durchgeführt. "Ich habe verchromte Bauteile wie Lampenringe oder neue Originalspiegel angebracht", zählt Kösling. In den kommenden Monaten soll der Oldtimer auch noch eine verchromte Stoßstange bekommen. Doch die Preise für Ersatzteile sind hoch. "Ich wollte mir schon vor längerer Zeit eine neue Stoßstange zulegen, doch die sollte 450 Euro kosten", erzählt Kösling. Da habe er zunächst einen Rückzieher gemacht.

Ersatzteile für einen Trabant besorge er meist im Internet, dort werde mehr als genug angeboten. Auch den Kraftstoff bekommt er nicht an der Tankstelle. "Es ist ein eins zu 50 Gemisch, das ich aus Benzin und Öl selber zusammenmixe", schildert er.

Für Kösling, der sich erst 1991 einen Ford zulegte, war es nicht schlimm, dass schon kurz nach der Wende die meisten Trabis und Wartburgs aus dem Straßenbild verschwanden. "Das war damals der Zeit und auch der Euphorie geschuldet", schildert er. Es sei gut, dass die Wiedervereinigung vollzogen wurde. "Die Vorteile überwiegen, obwohl im sozialen Bereich einiges hätte besser laufen können." Doch wenn er mit seinem Cabrio-Trabi über die Straßen rollt, denkt er nicht daran. Dann schwelgt er in Erinnerungen.

"Ich nutze ihn eigentlich nur für Spazierfahrten mit meiner Frau oder wenn wir zum Pilze sammeln wollen", sagt der Bützower. Ihm komme es dabei nicht auf die Geschwindigkeit an. Und so drückt er auch das Gaspedal nicht bis runter aufs "Blech", sondern rollt gemütlich mit 60 bis 80 Stundenkilometer durch die Landschaft. "Ich brenne immer noch für das Cabrio und genieße jede Fahrt", sagt er und dreht den Zündschlüssel.

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