Verhungern die Schleiereulen?

Kopfüber hing die tote Schleiereule im Kircheninnenraum.
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Kopfüber hing die tote Schleiereule im Kircheninnenraum.

Seit einiger Zeit sterben die Schleiereulen in der Tempziner Kirche. Erst in dieser Woche musste wieder ein toter Vogel geborgen werden.

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11. September 2008, 07:28 Uhr

Tempzin - „Ich bin seit 14 Jahren in der Region und seit 12, 13 Jahren als ehrenamtlicher Naturschutzwart zuständig. Seit dem habe ich auch Aufzeichnungen über Schleiereulen in der Tempziner Klosterkirche, die es übrigens auch schon zu DDR-Zeiten hier gab“, sagt Alain Raymond. Während sich der Naturschutzwart des Amtes Sternberger Seenland aber sonst über die Vögel und ihren Nachwuchs freuen kann, beschäftigt ihn seit einiger Zeit „ein rätselhaftes Sterben von Schleiereulen“, wie er sagt. „Der Förderverein Antoniter-Hospital hat mich benachrichtigt, dass sich eine Eule in den Kirchenraum verflogen hätte. Wir haben gehofft, dass wir sie erschöpft am Boden finden oder durch leichtes Pfeifen anlocken und dann aufpeppeln können. Das hat leider nicht geklappt“, bedauert Raymond.

Doch wie kommen die Schleiereulen in den Kirchenraum? Denn es ist leider nicht die erste, die sich hierher verflogen hatte. „Zwei Schleiereulen haben wir tot auf dem Gewölbe gefunden und nun auch schon die zweite tot in der Kirche. Schleiereulen sind Gleitvögel, die ein Einflugsloch brauchen“, weiß Erika Garling vom Förderverein. Sie guckt täglich in der Kirche nach dem Rechten. Dass Einflugsloch zu finden, sieht auch Alain Raymond als dringende Aufgabe an. Weshalb er sich bereits an die beiden Bauingenieure, die sämtliche Baumaßnahmen an der Kirche begleitet haben, gewandt und um einen baldigen Vor-Ort-Termin gebeten hat. „Es gibt leider mehrere Möglichkeiten, wie die Schleiereulen in die Kirche kommen können“, sagt er.

Normalerweise hat sich das Eulenpaar in einem Eulenkasten eingerichtet, der sich im Nordschiff der Klosterkirche befindet. „Der Kasten ist zur Straße hin offen, so dass sie eigentlich auch nur in diese Richtung fliegen“, weiß der Naturschutzwart. Von Menschenhand lässt sich der Kasten allerdings auch vom Nordschiff her öffnen. „So konnten wir die Eier zählen. In diesem Jahr lagen acht Eier darin. Allerdings waren wir uns nicht sicher, ob alle zu den Schleiereulen gehören“, so Erika Garling. Fünf, sechs Jungvögel waren dann geschlüpft, wobei auch ein Nesthäkchen dabei war, erinnert sie sich.
Der tote Altvogel soll nun professionell untersucht werden, kündigt Alain Raymond an, der sich gleich in der Kirche die Eule genau ansah. „Von der Vorgeschichte gehe ich von einem natürlichen Tod aus. Ich glaube nicht an eine Fremdeinwirkung, sondern dass er sich auf der Suche nach Nahrung erschöpft verflogen hat“, vermutet er.


Hintergrund



Schleiereulen sind nachtaktive Jäger und fressen hauptsächlich Kleinsäuger, etwa Mäuse, und seltener kleine Vögel. Sie sind durch ihre auffälligen herzförmigen Gesichtsschleier gekennzeichnet. Die 33 bis 35 Zentimeter lange, hell gefärbte, langflügelige und langbeinige Eule erreicht eine Flügelspannweite von bis zu 85 Zentimeter.
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