Vergewaltigung gestanden

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16. Dezember 2008, 07:26 Uhr

Neuruppin | Das junge Mädchen war an jenem Maiabend mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause, als sie ein junger Mann verfolgte. Plötzlich riss er sie vom Rad, schubste sie in einen Graben und drohte, sie abzustechen, wenn sie weiter schreien würde. Dann vergewaltigte er sie. Als sie ihn schließlich zu einem Ortswechsel überreden konnte, gelang ihr die Flucht. Der Angeklagte wurde kurze Zeit später festgenommen, sitzt seit 22. Mai in Untersuchungshaft. Noch heute leidet die 19-Jährige unter Angstzuständen.

Der Täter ersparte ihr wenigstens eine ausführliche Vernehmung: Er gestand die Tat. Er sei an jenem Abend ziellos und alkoholisiert durch Wittenberge gefahren. Zufällig stieß er dann auf sein Opfer. Dem psychiatrischen Gutachter Thomas Kasten hatte er gesagt, er habe sich an diesem Abend in einer psychischen Ausnahmesituation befunden. Er sei davon ausgegangen, dass seine Freundin krebskrank sei, sich innerlich leer gefühlt.

Der Gutachter bescheinigte dem 29-Jährigen eine schwere Persönlichkeitsstörung. Diese habe sich seit seiner Kindheit durch frühe traumatische Erlebnisse entwickelt. Er habe Gewalt in der Erziehung und das Trinken seiner Eltern erlebt. Seit Ende der 90er Jahre sei der Angeklagte alkoholkrank, führte der Gutachter weiter aus. Immer wieder kam es auch zu Straftaten; 1999 stand er wegen sexueller Nötigung vor Gericht. Auch hier spielte der Alkohol eine Rolle. Ebenso wie bei der Tat im Mai. Da betrug der Blutalkoholwert etwa 1,7 Promille.

Laut Kasten ist die Vergewaltigung auf die Persönlichkeitsstörung des Angeklagten zurückzuführen. Aufgrund dieser Krankheit ging er von einer verminderten Schuldfähigkeit zur Tatzeit aus. Zudem empfahl Kasten die Unterbringung des jungen Mannes in einer psychiatrischen Klinik. Dem schloss sich das Gericht an. Aus Sicht der Kammer ist die Strafe von vier Jahren und sechs Monaten angemessen.

Die Staatsanwältin hatte eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren beantragt.

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