Verein will Lindenpark retten

Anwohner der Kröpeliner-Tor-Vorstadt wollen den Lindenpark pflegen und erhalten – weil es das Grünamt der Stadt nicht mehr kann. Dazu gründet der Ortsbeirat im November einen Verein, deren Mitglieder Spenden sammeln und selbst zu Schaufel und Spaten greifen wollen.

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10. Oktober 2008, 06:05 Uhr

Rostock - Früher ein gutbürgerlicher Friedhof, dann ein gepflegter Park für jedermann. Heute eine Anlage, die zusehends verwildert und in den Abendstunden auf viele Spaziergänger abschreckend wirkt. „Ich mache mir große Sorgen um den Lindenpark“, sagt Denkmalpflegerin Uta Jahnke. Denn was sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat, verschärft sich zusehends. Die Stadt senkt kontinuierlich die Pflegestufen für den Park, weil Gärtner an allen Ecken und Enden fehlen. Selbst ABM-Kräfte, die in den vergangenen Jahren noch den einen oder anderen Weg ausgelichtet haben, gibt es nicht mehr. Die städtischen Kassen lassen es nicht mehr zu, obwohl der Lindenpark als Gründenkmal eingestuft ist.

Mit Eigeninitiative will nun der Ortsbeirat Kröpeliner-Tor-Vorstadt diesen Trend umkehren. „Immerhin ist der Park die grüne Lunge im Stadtteil“, schildert Michael Kluge. Er ist einer der Initiatoren des Vereins zum Erhalt des Lindenparks, der im November aus der Taufe gehoben werden soll. Die Idee: Wo die Stadt scheitert, muss bürgerliches Engagement helfen. Ziel der Initiative ist es, den Park wieder mehr in das Bewusstsein der Menschen zu rücken – und dadurch den einen oder anderen Spenden-Euro für die Pflege zu gewinnen.

Dabei wollen die Anwohner nicht jeden wild wachsenden Busch kurz und klein häckseln. Einige Karrees sollen der Natur überlassen werden, andere Bereiche zu einer öffentlichen Parkanlage gestaltet werden. „Wir können uns auch eine Wiese vorstellen“, beschreibt Kluge. Immerhin sei der Park eine Naherholungszone für die Anwohner. Auch der Geschichte des Parks soll verstärkt Rechnung getragen werden, so die Gedankenspiele. Die schweren Grabsteine, die noch immer inmitten des Parks von vielen völlig unbemerkt vor sich her verfallen, könnten wieder frei gelegt werden. Eine Idee, die nicht nur Denkmalpflegerin Uta Jahnke begeistert.

Auch Stadthistoriker Gerhard Weber freut sich über das Engagement. Denn der Lindenpark sei ein Ort mit sehr lebhafter Geschichte. 1831 als Friedhof geweiht, standen hier zeitweise bis zu 70 Grabkapellen unter den Linden. Die Bombennacht des Zweiten Weltkrieges und die DDR-Administratur bereitete dem ein Ende. Seit 1980 entstand ein öffentlicher Park. „Es wäre schade, wenn diese Anlage weiter verfällt“, sagt Weber. Der Verein zum Erhalt des Lindenparks will das verhindern. Ob ihm das gelingt, wird von der Unterstützung abhängen. Einen Termin für die Gründung will der Ortsbeirat noch bekannt geben.

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