Verbrauch sinkt, Gebühr steigt

Eine saftige Erhöhung der Grundgebühr für das Trinkwasser steht den Kunden des Westprignitzer Trink- und Abwasserzweckverbandes (WTAZV) bevor. Mehrheitlich beschlossen die Verbandsvertreter einen Anstieg von derzeit 78 auf 114 Euro plus Mehrwertsteuer.

von
19. November 2008, 11:18 Uhr

Perleberg | Lange schien der dazu notwendige Beschluss am Dienstagabend noch in der Schwebe zu sein. Im Verlauf der knapp vierstündigen Mammutsitzung gab es schon im Vorfeld der eigentlichen Abstimmung kritische Nachfragen. So forderte Hergen Reker, Vertreter des Amtes Putlitz-Berge, eine genauere Aufschlüsselung der sonstigen Kosten und der Kosten der Kalkulation. "Nur so können wir nachvollziehen, ob es noch Einsparpotenziale gibt", begründete er.

Jürgen Herper, Rühstädt, bat darum, die geplanten Investitionen für 2009 auf ihre Dringlichkeit genau zu prüfen. "Weniger Investition kann eine geringere Gebührenerhöhung bedeuten", sagte er und lehnte zunächst die Grundgebührenerhöhung generell ab: "Sie trifft jedes Grundstück, selbst wenn dort nur eine einzelne Person lebt." Auch Hartmut Borrmann, Wootz, wollte die Anhebung zunächst nicht mittragen. Das könne er als Bürgermeister seinen Einwohnern nicht erklären. Thomas Brandt, Groß Pankow, schloss sich diesen Argumenten an. Investitionen überprüfen, parallel auch den Wasserpreis erhöhen, damit die Mehrkosten gleichmäßiger verteilt werden.

Doch die Meinungen kippten. Maßgeblichen Anteil daran hatte der technische Leiter Jörg Seidel: "Viel Luxus ist nicht drin", gab er beim Blick in den Investitionsplan zu bedenken. Sicher könne er Maßnahmen streichen, aber das sei mit einem hohen Risiko verbunden. Technische Probleme oder gar Ausfälle, kein Geld für Ersatzbeschaffungen von maroden Wasserbehältern, nannte er als Beispiele.

Verbandsvorsteherin Heidi Hoffmann bestätigt: Ob Ortsnetz Brunow, Hausanschlüsse in Bad Wilsnack oder die Aufgabe des Wasserwerkes Karstädt verbunden mit neuen Leitungen zum Nebeliner Werk seien unaufschiebbar, um noch höhere Folgekosten abzuwehren.

Neben den Investitionen entstünden dem Verband hohe Kosten für die Wartung des Netzes. Weniger Verbrauch, weniger Einwohner, aber das Leitungsnetz sei noch auf dem Stand der 80er Jahre. "Wir müssen spülen und reinigen, reparieren", so Seidel.

Hergen Reker schlug eine Mischfinanzierung vor. Grundgebühr und Wasserpreis sollten angehoben werden, damit die kleinen Haushalte die Last nicht alleine tragen. Schnell wurde am Computer eine entsprechende Kalkulation durchgerechnet, doch das Ergebnis überzeugte die Mehrheit nicht.

"Ich kann meinen Bürgern nicht beide Erhöhungen erklären", so Gudrun Hoffmann, Plattenburg. Auch Thomas Brandt stimmten die dargelegten Argumente um. "Die Investitionen müssen sein, wir dürfen die Versorgungssicherheit nicht riskieren oder gar die Gesundheit der Bürger", sagte er. Zugleich kritisierte Brandt, dass der Verband in den 90er Jahren zu wenig im Trinkwasserbereich investiert habe. Das räche sich jetzt.

Mit Nein stimmten nur drei Mitglieder, darunter Hergen Reker. "Diese einseitige Erhöhung der Grundgebühr halte ich für nicht angemessen." Auf dem flachen Land gebe es viele Häuser, "in denen wirklich nur noch eine Oma lebt und die muss nun knapp 40 Euro mehr im Jahr zahlen", argumentierte Reker. Und dabei dürfe sie nicht einmal mehr Wasser verbrauchen und auch Wasser zu sparen, helfe ihr bei der Grundgebühr nicht.

Er halte nach wir vor eine Erhöhung von Grundgebühr und Wasserpreis für gerechter. Sieben Cent pro Kubikmeter wären moderat gewesen. Dann hätte die Grundgebühr nur bei 108 Euro gelegen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen