Vater rettet dreijährige Tochter vor sturzbetrunkener Oma

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19. Juni 2009, 01:51 Uhr

Schwerin - Weil ein 23-jähriger Schweriner am Donnerstag Abend seine schreiende dreijährige Tochter aus den Händen ihrer völlig betrunkenen Oma – sie hat das Sorgerecht für die Kleine – gerettet hat, muss er jetzt mit juristischen Konsequenzen rechnen.

Dass der Fall öffentlich wurde, hat die 41-jährige Mutter des Vaters selbst zu verantworten. Sie hatte aufgeregt die Polizei informiert, dass „soeben ihr Sohn – unter Drogen stehend – gewaltsam in ihre Wohnung eingebrochen“ wäre und die dreijährige Tochter der Anruferin entführt hätte, so die Polizei.
Vor Ort stellte sich der Sachverhalt völlig anders da: Der Vater hatte vor der Tür seiner Mutter seine Tochter unentwegt schreien gehört. Weil auf Klopfen und Klingeln niemand reagierte, hatte er die Tür eingetreten und seine Tochter in der Nähe zu Bekannten gebracht und war anschließend zur Wohnung zurückgekehrt. Die Polizei stellte bei ihm keine Anzeichen auf Genuss von Betäubungsmittel fest, sein Atemalkoholwert lag bei 0,00 Promille. Die Mutter hatte die Polizei also belogen. Kein Wunder: Bei ihr zeigte das Atemalkohol-Messgerät einen Wert von 3,4 Promille an.

Die Polizisten schalteten daraufhin den Kinder- und Jugendnotdienst ein, um den Verbleib des Kindes zu klären. Das passte der betrunkenen 41-Jährigen überhaupt nicht. Sie wollte das Kind nicht herausgeben, bestand auf Rückgabe und drohte mehrfach Selbstmord an. Mit Unterstützung der Berufsfeuerwehr wiesen die Beamten die Frau schließlich zwangsweise in die Helios-Kliniken ein.

Der Kindsvater hatte die Polizei währenddessen zu seiner Tochter gebracht, wo sie anschließend dem Kinder- und Jugendnotdienst übergeben wurde. Gegen die Frau erstellten die Polizisten Strafanzeige wegen Verletzung der Fürsorge und Erziehungspflicht. Der Kindsvater muss sich wegen des Verdachtes der „Entziehung Minderjähriger, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs“ verantworten, so die Polizei.

„Wenn die Akte der Polizei vorliegt, prüfen wir, ob ein Anfangsverdacht einer Straftat des jungen Mannes vorliegt“, erklärt Stefan Urbanek von der Schweriner Staatsanwaltschaft das Procedere. Bestätige sich das, werde ermittelt. Falls eine Verurteilung wahrscheinlich sei, würde auch Anklage erhoben. Wenn nicht, werde das Verfahren eingestellt. „Natürlich kann es auch Gründe geben, die das Verhalten rechtfertigen“, so Urbanek und verwies auf das so genannte Nothilferecht, um das Kind vor Schaden zu bewahren.

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