Uran aus dem Hahn: Giftwasser in MV

Experten schlagen Alarm: Fast jeder zehnte Brunnen ist laut einer bundesweiten Studie mit Uran vergiftet. Auch in Mecklenburg-Vorpommern fließt mancherorts giftiges Wasser

aus den Hähnen.

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05. August 2008, 07:57 Uhr

Schwerin - Im Land sind vier Trinkwasserbrunnen sogar hochgradig durch das Schwermetall belastet. Die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch belegt in ihrer bundesweiten Studie, dass in Mecklenburg-Vorpommern in 80 von 855 geprüften Trinkwasserbrunnen erhöhte Werte des hochgiftigen und krebserregenden Urans nachgewiesen wurden. Im Körper kann es zu schweren Nieren- und Leberschäden führen. Für Babys werden seit 2006 zwei Mikrogramm pro Liter als unbedenklich eingestuft.

Gesetzlich ist dies bislang allerdings nur in der Mineralwasserverordung fixiert. Foodwatch fordert darum einen generellen Richtwert auch für Leitungswasser – und das Bundesgesundheitsministerium reagierte: Man prüfe derzeit einen Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Liter.

Diesen überschreiten die Wasserwerke in Reimershagen (30,8) bei Güstrow, in Palmzin (26,3) bei Rostock, in Beseritz (23,6 Mikrogramm) nahe Neubrandenburg und Friedland (34,52) derzeit um ein Mehrfaches. Nach den Erhebungen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales zählen sie bundesweit sogar zu den traurigen Spitzenreitern. Den Betreibern empfahl das Amt die Werte schnell auf mindestens sieben Mikrogramm zu senken. Sozialminister Erwin Sellering (SPD) versprach gestern gegenüber unserer Redaktion: „Wo Überschreitungen sind, muss gehandelt werden. Wir werden den Kommunen dabei Hilfestellung leisten, den Empfehlungen schnellstens nachzukommen.“

Möglich ist die Senkung der kritischen Uran-Werte unter anderem durch den Einbau spezieller Filter und das Mischen von verschieden stark belastetem Wasser. Einige Betreiber haben auch bereits Brunnen stillgelegt, zumal der Uran-Wert auch vom Boden abhängt und selbst auf einem Gelände sehr unterschiedlich sein kann.

Für die Studie sammelte foodwatch mit Hilfe von Ministerien und Gesundheitsämtern bundesweit Daten von 8500 Brunnen. Bei über 800 Proben lagen die Werte über zwei Mikrogramm. In 150 Fällen wurden zehn Mikrogramm überschritten, die das Umweltbundesamt für Erwachsene selbst bei jahrelangem Konsum noch als unbedenklich einstuft.

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