Unterschätzte Gefahr im Zwielicht

Gefahr aus dem Wald: Die Zahl der Wildunfälle steigt; 180  000 Rehe kommen in Deutschland jährlich unter die Räder. Foto: Archiv
Gefahr aus dem Wald: Die Zahl der Wildunfälle steigt; 180 000 Rehe kommen in Deutschland jährlich unter die Räder. Foto: Archiv

Mit dem Herbstanfang steigt das Wildunfallrisiko. Die Tiere sind momentan besonders aktiv und suchen sich neue Futterplätze. Für das Dammwild beginnt jetzt auch die Brunftzeit mit den klassischen Verfolgungsritualen. Deshalb raten Polizei und der Automobilclub Deutschland (AvD) vor allem in der Dämmerung und an Feld- und Waldrändern vorsichtiger und langsamer zu fahren.

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26. September 2008, 08:24 Uhr

Ludwigslust - „Risiko, mit Wild zu kollidieren, besteht nicht nur der Morgen- und Abenddämmerung, sondern während der gesamten Nacht. Vor allem während der Brunftsaison von September bis Januar besteht erhöhte Alarmbereitschaft“, warnt Polizeioberrat Uwe Oertel. Häufigste Gefahr seien Rehe, die an etwa 80 Prozent aller Wildunfälle beteiligt sind, berichtet der Leiter der Polizeiinspektion und betont: „Insbesondere in der Nähe von Niederungen sollten Autofahrer besonders umsichtig fahren und die Geschwindigkeit drosseln.“ Der Beamte hat allen Grund für diesen Rat, denn 865 Wildunfälle wurden seit Jahresbeginn im Landkreis gezählt. 576 mal liefen Rehe ins Auto, 116 mal Schwarzkittel und 35 mal Dammwild. „Auf der B 106 kam es bisher zu 129, auf der B 5 zu 126 Wildunfällen. Die B 195 schlägt mit 76, die B 191 mit 42 Unfällen zu Buche“, rechnet Oertel weiter vor.

Der Straßenrand und angrenzende Gebiete sollten deshalb aufmerksam beobachtet werden. Der Polizist empfiehlt, nachts in bewaldeten Gebieten so weit wie möglich unter Beachtung des Gegenverkehrs mit Fernlicht zu fahren. Die Augen der Tiere wirkten wie Rückstrahler und seien sind so früher zu erkennbar. „Sobald ein Tier am Straßenrand oder auf der Fahrbahn gesichtet wird, sollte stark gebremst, auf Abblendlicht umgeschaltet und kräftig gehupt werden. Auf Ausweichmanöver sollte bei höherem Tempo verzichtet werden, denn nicht selten gerät das Fahrzeug ins Schleudern. Wenn ein Zusammenstoß unvermeidlich wird, sollte so stark wie möglich gebremst und das Lenkrad fest gehalten werden.“

In Mecklenburg-Vorpommern wird bereits jedes dritte Reh von einem Auto „erlegt“. Bundesweit ist es jedes fünfte. Ungefähr 200 000 Wildunfälle werden pro Jahr registriert – mit oft verheerenden Folgen. Dabei werden Jahr für Jahr über 2000 Menschen verletzt und mindestens ein Dutzend Autofahrer getötet. Nach Angaben des ADAC beläuft sich der jährliche Schaden auf rund 425 Millionen Euro. Bei etwa jedem zehnten Unfall kreuzt ein Wildschwein die Straße. Häufig unterschätzen Autofahrer die Gefahr, die von einem Zusammenstoß mit einem Tier ausgeht. Ein Reh mit beispielsweise 20 Kilo Gewicht hat bei Tempo 100 ein Aufschlaggewicht von etwa einer Tonne.

Jeder Autofahrer kann jedoch seinen Teil dazu beitragen, das Unfallrisiko zu verringern. Es ist der Mensch, der die Gefahr erkennen und einschätzen kann. „Rehe beispielsweise können Objekte, die schneller als mit 60 Stundenkilometern unterwegs sind, gar nicht wahrnehmen", weiß Uwe Oertel.

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