Untermieter Marder macht Ärger

Äußerlich sind Marder anmutige Wesen. Ziehen sie in Autos oder im Lebensraum der Menschen ein, verwandeln sie sich in Nervensägen und Poltergeister. Dann fragen Geplagte im Forstamt oder in der Jagdbehörde um Rat.

von
11. April 2008, 03:29 Uhr

Rostock/Wiethagen - „Bei Mardern gibt es eine Faustregel: Überall, wo man eine Hand durchstecken kann, gelangen sie ins Haus oder in das Dach herein“, sagt Jörg Harmuth, Leiter des Stadtforstamtes. In Häusern verwandeln sich die hundeartigen Raubtiere in Poltergeister. Beim Toben auf dem Dach oder in Schächten verursachen sie höllischen Lärm. Und oft urinieren oder koten sie dort. Das stinkt dem Menschen im Doppelsinne: durch den Geruch und die Kosten, die die Beschädigungen verursachen.

In ihrer Hilflosigkeit wenden sich die Betroffenen häufig an Jörg Harmuth. „Marder lassen sich schwer auf die Schliche kommen“, sagt der 46-Jährige. Patentrezepte gibt es nicht, alle Tiere reagieren unterschiedlich. Im Internet finden sich daher die verschiedensten Empfehlungen. „Da Marder Allesfresser sind und vom Kaugummi bis zum Regenwurm alles vertilgen, haben diese Kulturfolger gute Überlebens-Chancen“, sagt der Förster.

Nach Ratschlägen wird auch Rainer Klösel, Sachbearbeiter der städtischen Unteren Jagdbehörde, gefragt. Auch er kennt die eingschlägigen Tipps: „Manche haben beim Auslegen einer Decke Erfolg, die drei Tage im Korb von großen Hunden gelegen hat. Der Geruch vertreibt Marder, die einen Feind wittern“, sagt er. Andere schwören auf Ultraschallgeräte, deren hohe Frequenzen den nachtaktiven Tieren unangenehm sind. Als weiteres Hilfsmittel gilt das Auslegen dieselgetränkter Lappen.
Auch Jörg Harmuth nennt Urinstein und Lärmen als bekannte Mittel. Ihm wurde auch vom Erfolg mit Großkatzen-Kot berichtet. Im Rostocker Zoo ist das nicht bekannt.

Lebendfallen gelten als humane Alternative. Allerdings sind die Tiere schlau und verzichten eher auf die Leckereien in der Falle, als sich in Gefahr zu begeben. Harmut betont: „Deshalb ist viel Geduld nötig.“ Bis es auf diesem Weg klappt, können Wochen vergehen. „Marder nutzen stets den gleichen Weg, um in die Behausung zu gelangen“, sagt Klösel. Sie verfügen oft gleich über mehre Schlafplätze in einer Gegend.

Das Jagdgesetz in MV erlaubt es Besitzern befriedeteter Gebiete, die Tiere ganzjährig zu jagen oder zu töten. Dazu zählen Privathäuser, Höfe, Betriebsstätten, Kleingärten.
„In diesen Monaten kommen die Jungen zur Welt, das sollte man bedenken. Diese Phase ist abzuwarten. Ohne Eltern würden die Jungtiere elendig verhungern. Das wäre nicht fair, bei allem Respekt vor der Ruhebedürftigkeit von Hausbewohnern“, sagt der Förster. Manchmal hilft es, Ablenkquartiere im Garten zu bauen.

Ist es gelungen, einen Marder lebend zu fangen, muss er weit ausgesetzt werden. Auch da lohnt es, den Förster zu fragen. „Es ist wichtig, mindestens 20 Kilometer vom Grundstück die Tiere artgerecht hinzubringen, sonst hat der Marder nur ein müdes Grinsen für die Aktion übrig und kehrt auf dem Absatz zurück“, weiß Harmuth. Alle Bemühungen sind umsonst, wenn die Eingänge nach dem Wegfangen nicht verschlossen werden. „Artgenossen denken dann, dass ein Eigenheim frei wird und nisten sich sofort hier ein.“

Marder in Autos ist ein weiteres Reizthema für viele. Sie knabbern alles an, was nicht niet- und nagelfest ist. „Hinsichtlich der Fahrzeugtypen haben die flinken Raubtiere keine Vorlieben, es ist ihnen gleich, ob es ein VW Polo oder ein Renault ist“, sagt Harmuth. Revierkämpfe können eine Ursache für das Zerbeißen sein. Oder tierischer Zickenkrieg – zwei Weibchen vertragen sich selten. Bis auf Bremsschläuche gehen die Tiere an alles von Achsmanschetten bis zum Dämm-Material. Oft deponieren sie alte Lebensmittel im Motorraum. Auch hier hilft es manchmal, etwas auszulegen, was das Wohlbefinden und den Geruchssinn der Marder einschränkt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen