Untergangsstimmung bei Rostocks Belegschaft

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05. Juni 2009, 10:08 Uhr

Die leckgeschlagene Wadan-Werft in Warnemünde droht, unterzugehen. Vom laufenden Insolvenzantrag haben viele Mitarbeiter gestern nur aus dem Radio erfahren und sind gleich wieder nach Hause gegangen – schweigender Protest. Der große Auflauf und offen demonstrierte Wut blieben aus.

Der Vertrauensvorschusswurde missbraucht

Auch der Auszubildende Mario Eickner hat die Nachricht aus dem Radio erfahren. Seine Stimmung ist gedrückt. „Ich bin im zweiten Lehrjahr zum Anlagenmechaniker, nicht auszudenken, wenn es hier für mich nicht weitergeht“, sagt der 18-Jährige. Ähnlich denkt auch Kollege Maik Schnorrbusch. „Nach meiner Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker wollte ich mich hier eigentlich beruflich festlegen“, sagt der 18-Jährige.
Sympathiebekundungen von Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) verhallen in der am Werk herrschenden Stimmung. „Der Vertrauensvorschuss von Belegschaft, Land und Bund für die russischen Eigentümer wurde missbraucht“, sagt der Rathauschef. Er spricht von unerfüllten Erwartungen an die russischen Eigentümer. Die hatten im September vergangenen Jahres versprochen, neuen Wind in den krisengeschüttelten Schiffbaubetrieb zu bringen.

Die Auftragsbücher der Reederei sind dünn

Die russische Handelsflotte habe einen großen Erneuerungsbedarf, und daran könne Wadan Yards teilhaben, erklärte Gesellschafter Burlakov Zaritskiy noch vor wenigen Monaten. Heute können sie nicht einmal den Eigenanteil aufbringen, der von Mecklenburg-Vorpommern gefordert wird. Die 40-Millionen-Euro-Bürgschaft platzt, und 2500 Mitarbeiter kehren mit leeren Lohntüten zu ihren Familien zurück. Es sind Werft-Arbeiter, die „mit ihrem Können das Weltniveau im Schiffbau mitbestimmen“, so OB Methling. Doch Reedereien lassen immer öfter ihre bestellten Schiffe in den Docks liegen. Auch die Auftragsbücher der Reeder sind dünn. Voraussetzungen für die Staatsbürgschaft waren zunächst Abnahmegarantien der Reederei STX in Südkorea für vier Containerschiffe.

Die Insolvenz ändert alles. Das Vertrauen der Warnemünder Schiffbauer ist längst angeknackst. Sie sind nun einmal mehr die Leidtragenden und geplagt von Zukunftsängsten. Auch wenn eine Insolvenz nicht gleich das Aus bedeutet, schürt die Ungewissheit über die Fortführung Zweifel.

Die hat auch Robert Glandien. „Wann kriegen wir unser Geld, am Montag ist schließlich Gehaltstag“, sagt der Konstruktionsmechaniker. Der Betriebsratsvorsitzende Harald Ruschel versucht die Situation vor den Werfttoren zu entspannen. „Wir haben immer noch Hoffnung, dass es weitergeht, und bauen auf weitere politische Unterstützung“, sagt der 53-Jährige.

Am Vormittag ist Ruschel durch die Hallen gegangen und hat den Mitarbeitern Mut zugesprochen. Auch um ihr Gehalt sollten sich die Arbeiter nicht sorgen. Doch die Ungewissheit spiegelt sich in den Gesichtern der Mitarbeiter, die das Gelände nach der Schicht verlassen, wider. Schiffsbauer Oli Ebert sieht nur wenig Hoffnung. „Es ist mein Traumjob, ich arbeite seit mittlerweile sechs Jahren auf der Werft“, sagt der 23-Jährige. Wie es weitergeht,, er weiß es nicht.

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