Unruhe im DRK-Rettungsdienst

Der Arbeitgeber DRK des Rettungsdienstes in Parchim und Ludwigslust versucht offenbar, mit der Gewerkschaft DHV ins Geschäft zu kommen. Früher war ver.di hier Platzhirsch. Jetzt haben nur die DHV-Mitglieder eine Einmalzahlung von 650 Euro erhalten. „Gekaufte Mitarbeitervertretung“, befürchten Kritiker. Die Geschäftsführung spricht hingegen von einer tariflichen Vereinbarung und weist auf mit der DHV geplante Lohnerhöhungen hin.

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29. April 2008, 08:10 Uhr

Parchim/Ludwigslust - Es herrscht Unruhe unter Rettungskräften des Deutschen Roten Kreuzes, die seit Januar 2007 zu der „DRK Rettungsdienst Parchim Ludwigslust gGmbH“ gehören. „Die Stimmung ist mies“, klagt ein Mitarbeiter. Seinen Namen möchte er nicht nennen – aus Angst um seinen Arbeitsplatz. Ursache ist die Entscheidung der Geschäftsführung, mit der bei DGB-Gewerkschaften umstrittenen christlichen Gewerkschaft DHV in Verhandlungen zu treten. Deren Mitglieder haben bereits eine Einmalzahlung vom Arbeitgeber in Höhe von 650 Euro erhalten, während Anhänger von ver.di oder Nicht-Gewerkschaftsmitglieder leer ausgingen.„

Wenn die Summe gezahlt wird, obwohl es den Vertrag noch gar nicht gibt, sieht das für mich nach gekaufter Mitarbeitervertretung aus“, fürchtet ein Kollege, der ebenfalls anonym bleiben möchte. Auch im derzeit geltenden Vortarifvertrag mit der DHV steht die Summe nicht. In einer früheren, vergleichbaren Verhandlungssituation mit ver.di sei eine Zahlung von 450 Euro abgelehnt worden, erzählt er.

Steffen Heine, Geschäftsführer der DRK Rettungsdienst Parchim Ludwigslust gGmbH, weist die Befürchtungen dagegen zurück. Bei den 650 Euro handele es sich um eine tarifvertragliche Leistung, sagt er unisono mit der DHV. Dabei verweist er auf eine Extra-Vereinbarung über die Zahlung dieser Summe, die schon zu Beginn der Verhandlungen mit der DHV beschlossen wurde. Heine: „Das ist ein ganz normaler Vorgang.“

Auch die Sorge vor einem schlechten Abschluss sei unberechtigt, meint der Geschäftsführer. „Goldene Regel“ der DHV sei Besitzstandswahrung. Nach aktuellem Verhandlungsstand seien für zwei Drittel der Mitarbeiter ab 1. Januar 2009 Lohnerhöhungen von 20 bis 100 Euro im Monat vorgesehen. Das reiche zwar nicht an das Tarifgefüge des öffentlichen Dienstes heran, sei aber „ein Kompromiss“, so Heine. Mit zu hohen Personalkosten würde man als Anbieter des Rettungsdienstes die Verträge mit dem Landkreis gefährden.F

ür einen Teil der Mitarbeiter sind die Ankündigungen jedoch kein Grund zur Beruhigung. Höher qualifizierte und ältere Kollegen mit Löhnen im anderen Drittel müssten ebenfalls mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, so die Kritik. Es bleibe abzuwarten, was der Tarifvertrag mit der DHV sonst noch vorsehe. Andere Anbieter im Rettungsdienst würden einen Ost-West-Angleich vorsehen. Die Angst vor einer Billig-Konkurrenz sei deshalb unbegründet.

An Themen wie diesen gingen bislang auch die Meinungen der Geschäftsführung und ver.di auseinander. Bei der Frage, warum die Entscheidung für Verhandlungen gegen ver.di ausfiel, schieben sich beide Parteien gegenseitig die Schuld zu. Fakt ist: ver.di ist weiter an Tarifverhandlungen interessiert und hat bereits Kompromissbereitschaft signalisiert – auch beim 24-Stunden-Dienst, den viele Mitarbeiter auf dem Land bevorzugen und den ver.di auf Bundesebene ablehnt.A

us Sicht von ver.di belege die Tarifpolitik des DRK den Trend, mit neuen Vertragspartnern ins Geschäft zu kommen, die die Interessen der Belegschaft weniger klar vertreten. „Die Regel ist Tarifdumping“, sagt Ernst Heilmann, Leiter des ver.di-Landesbüros. „Wir sind keine Dumpinggewerkschaft“, wehrt sich die DHV. Die Mitarbeiter im Rettungsdienst werden es bald beurteilen können. Der Vertrag mit der DHV soll im Mai unterschriftsreif sein. Dann wird sich auch zeigen, ob es zu konkurrierenden Tarifverträgen und einer weiteren Spaltung der Belegschaft kommt.


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