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Medizin-Professor greift bei Klausur zu radikaler Methode : Uni Rostock: Studenten mit Kameras überwacht

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Sie dachten, sie schreiben eine ganz normale Medizin-Klausur. Doch nun stellt sich heraus: Ihr Professor an der Universität Rostock hat sie mit einer Videokamera überwacht. So geschehen im Hörsaal in der Schillingallee.

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erstellt am 20.Jan.2011 | 08:27 Uhr

Rostock | Sie dachten, sie schreiben eine ganz normale Medizin-Klausur. Doch nun stellt sich heraus: Ihr Professor an der Universität Rostock hat sie mit einer Videokamera überwacht. Der Vorfall ereignete sich im Hörsaal der Schillingallee. Um Betrüger zu entlarven, nutzte er die Technik, die eigentlich dazu dient, kleine Objekte für alle sichtbar zu machen. „Das ist tatsächlich passiert“, bestätigt Prof. Thomas Mittlmeier, Studiendekan der Medizinischen Fakultät an der Universität Rostock. Erst jetzt habe er von dem Vorfall im vergangenen Oktober erfahren. Es handle sich dabei um einen Einzelfall. „Unser Ziel ist es nicht, Klausuren mit dem Kamerasystem zu überwachen“, sagt Mittlmeier. Das sei unzulässig und habe zudem einen schlechten Beigeschmack.

Reinhard Dankert (SPD), Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit in Mecklenburg-Vorpommern, spricht von einem „ganz klaren Verstoß gegen das Landesdatenschutzgesetz“. Eine Videoüberwachung von Studenten bei Prüfungen falle nicht unter das Hausrecht. „Da muss sich der Professor etwas anderes einfallen lassen“, sagt er. Erlaubt sei es indessen, unter bestimmten Voraussetzungen sensible Eingangsbereiche oder Räume mit wertvollem Inventar per Kamera zu kontrollieren. Und auch wenn Dozenten vor einer Prüfung den Ausweis ihrer Studenten sehen wollten, halte er das nicht für beanstandungswürdig.

Nachdem der Fachschaftsrat Medizin zunächst bestätigt hatte, von dem Vorfall der Videoüberwachung gehört zu haben, ruderte er wenige Tage später wieder zurück. Plötzlich wollten die studentischen Vertreter nichts mehr von dem Vorfall wissen, wollten sich solch einen Verstoß gegen das Landesdatenschutzgesetz noch nicht einmal vorstellen können. Es seien keine Beschwerden eingegangen, hieß es – anonym.

„Ich hätte mir erhofft, dass die Studenten direkt auf mich zugehen“, sagt Studiendekan Mittlmeier, der erst durch NNN-Recherche von dem Vorfall erfuhr. Normalerweise meldeten sie sich bei ihm, wenn ihnen etwas nicht passe. Ein anonymisiertes Reportsystem ermögliche ihnen ein direktes Feedback. Ziel sei es, ein Vertrauensverhältnis herzustellen. Von einer verschärften Kontrolle von Prüflingen hält Mittlmeier nichts. Stattdessen gehe der Trend hin zu individualisierten Klausuren, mit denen die Medizinische Fakultät vor zwei Jahren begonnen habe. Das heißt, die Reihenfolge der Klausurfragen und Antwortmöglichkeiten unterscheidet sich von Student zu Student. Außerdem bekommt jeder einen festen Platz zugewiesen. Abschreiben wird dadurch erschwert. „Es macht keinen Sinn, es den Leuten leicht zu machen“, so der Studiendekan. Denn spätestens im Staatsexamen müssten die Studenten den Stoff beherrschen. Vielmehr gehe es darum, ihnen einen Spiegel vorzuhalten, damit sie sich richtig einschätzen können.

Doch nun müssen sich die Lehrenden erst einmal selbst den Spiegel vorhalten lassen. Damit sich die Videoüberwachung nicht wiederholt, will der Studiendekan alle über die Rechtslage informieren. Was den Professor betrifft, behauptet Mittlmeier: „Er ist nicht bekannt für einen rigiden Umgang mit Studenten.“ Bei der Überwachung habe es sich um eine fixe Idee gehandelt, die aus der Situation heraus geboren worden sei. Der Prüfer habe seine Gedankenlosigkeit sehr bereut.

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