Flensburger Punktesystem für Verkehrssünder reformieren : Und ständig drückt das Punktekonto

Pausenstopp am Autohof in Neustadt-Glewe: Karl Schlechte fährt seit 40 Jahren Lkw und hat ständig Punkte auf dem 'Flensburger Konto'.hans-Georg Taken
Pausenstopp am Autohof in Neustadt-Glewe: Karl Schlechte fährt seit 40 Jahren Lkw und hat ständig Punkte auf dem "Flensburger Konto".hans-Georg Taken

Einfacher, transparenter, verhältnismäßiger - so stellt sich Bundesverkehrsminister Ramsauer das Flensburger Punktesystem für Verkehrssünder vor. Es soll dadurch Erleichterungen geben.

von
11. Mai 2011, 11:21 Uhr

Einfacher, transparenter, verhältnismäßiger - so stellt sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) künftig das Flensburger Punktesystem für Verkehrssünder vor. Vor allem für Vielfahrer und notorische Punktesammler soll es Erleichterungen geben. Die Denkanstöße beinhalten unter anderem, dass jeder Verstoß in Flensburg separat erfasst wird und dieser unabhängig davon, ob in der Zwischenzeit neue Eintragungen hinzugekommen sind, verjährt. Ein Gedankenspiel erwägt, dass künftig erst 20 statt bisher 18 Punkte den Führerscheinverlust zur Folge haben. Laut Koalitionsvertrag von 2009 soll eine Reform 2012 umgesetzt werden.

12 Uhr mittags am Autohof Neustadt-Glewe an der A 24: Rund zwei Dutzend Lastkraftwagen stehen auf dem Parkplatz. Hier machen die Pause, die im Behördenjargon auch "Vielfahrer" genannt werden.

Karl Schlechte ist einer von diesen Vielfahrern, bringt es mit seinem Vierzigtonner auf rund 130 000 Kilometer pro Jahr. Gerade kommt er aus Cuxhaven und ist im Dienste einer Verdener Spedition auf dem Weg nach Berlin. "Dort lade ich Shampoo-Produkte, bringe sie wieder zurück nach Cuxhaven, bevor der Container dann nach England verschifft wird".

Schlechte hat bisher 40 seiner 62 Jahre hinter einem Lenkrad verbracht, kennt jeden Meter Autobahn und jede Raststätte in Deutschland und sagt, dass seine Bandscheiben hinüber seien und er früher viel zu viel am Steuer geraucht habe. Zeit- und Termindruck - "der Job ist hart". Und ständig diese Punkte, die in der Flensburger Verkehrssünderdatei landen. "Ich habe derzeit zehn auf meinem Konto", sagt der Brummi-Fahrer aus dem niedersächsischen Sulingen, der nach eigener Aussage aber noch nie seinen Führerschein verloren hat. "Es kommen zwar immer neue Punkte dazu, aber es werden auch immer welche abgebaut", sagt Schlechte, denn nach fünf Jahren beginnt die Tilgungsfrist der Punkte. Doch fünf Jahre, das sei eine lange Zeit. "Diese angedachte Reform finden meine Kollegen und ich gut", sagt der Berufskraftfahrer, denn mit einer Verjährung nach zwei Jahren habe er etwas mehr Puffer, bis ein Fahrverbot einsetze. "Ich bin ein besonnener Fahrer, habe Familie und trage Verantwortung, aber manchmal gibt es eben doch den einen oder anderen Punkt", erzählt der Vater von zwei Kindern. "Aber die Sicherheit ist mir wichtig", betont Schlechte.

Trotz Zeit- und Termindruck: Sicherheit, das habe auch für Spediteur Karl Heinz Theurer aus Lübesse Priorität. Rund 70 Fahrer beschäftigt das Transport- und Logistikunternehmen, doch die würden bei der derzeit sehr guten Auftragslage nicht ausreichen, um den 60 Lkw starken Fuhrpark ständig zu besetzen. Dafür, so Theurer, würden Urlaub, Krankheit und immer wieder auch mal ein Fahrverbot seiner Angestellten sorgen. "Diese Reformvorschläge sind endlich mal eine gute Nachricht", sagt der Unternehmer. "Eine Verjährung der Punkte nach zwei Jahren, das ermöglicht unseren Fahrer etwas mehr Spielraum", sagt der Spediteur. Gerade Berufskraftfahrern werde es, so Theurer, nicht leicht gemacht mit der derzeitigen Punkteregelung. "Im Vergleich zu denen, die kaum fahren, steht dies in keinem Verhältnis." Das sieht ein Sprecher des Kraftfahrtbundesamtes anders. "Berufskraftfahrer sind immer unterwegs, deshalb auch permanent ein Gefahrenherd."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen